Neuer 3D-Druck: Besuch von Ausserhalb

Alien in unserem Garten - 1m groß aus dem 3D-Drucker
Ein Ausserirdischer in unserem Garten – direkt aus dem 3D-Drucker

Wie groß kann 3D-Druck?

Manche Menschen drucken schon ganze Häuser, aber die meisten werden wohl mit den kleinen Hobbygeräten arbeiten, die 200x200x200mm bis 300x300x300mm drucken können.

Was, wenn man größer drucken will?

Ich habe es ausprobiert!

Im Prinzip kann man fast jede 3D-Druckdatei beliebig vergrößern.
Irgendwann fängt die Drucksoftware an, zu meckern, dass der Druck nicht mehr in den Bauraum passt.
Dafür gibt es natürlich mittlerweile schon einige Lösungen.
Mit irgendeiner Software, sei es der Slicer des Druckers, oder das 3D-Zeichenprogramm, kann man zu große Objekte problemlos in kleine Happen zerlegen, die dann einzeln vom 3D-Drucker gedruckt werden.
Wenn man mehrere Drucker hat, kann man die Arbeit sogar beschleunigen, indem man mehrere Teile parallel druckt.

Ich habe mir diesen Ausserirdischen von Makerworld heruntergeladen.
Er ist dort schon fertig in mehrere passende Happen zerlegt, so dass er mit den meisten 3D-Druckern druckbar ist. Passende Verbindungen, wie Nuten und Zapfen, werden von den Zerlegeprogrammen auch gleich mit erstellt. So kann man die Teile nach dem Druck meistens recht einfach zusammenfügen.
Manchmal braucht es etwas Nacharbeit, aber in der Regel sollte es passen.
Damit hängt die maximale Größe nur noch von der zur Verfügung stehenden Druckzeit ab, und irgendwann reicht natürlich die Tragfähigkeit des Filaments nicht mehr. 10m große „echte“ Dinosaurier sind vermutlich nicht so einfach druckbar. Da müsste man wohl etwas Verstärkung einbauen.
Das Alien in diesem Projekt ist aber überhaupt kein Problem.
Mit imperialen 3″ Größe ist es knapp 1m hoch und damit schon recht ansehnlich.
Mit 2 Druckern hat es 2 Tage gedauert, alle Teile zu drucken.
Der Druck erfolgte in PETG, das ist outdoor-tauglich.
Das üblicherweise verwendete PLA wird bei Hitze schnell weich und das Alien würde in der Sonne dahin schmelzen.

Man kann das Modell einfach drucken, zusammenkleben und hinstellen.
Ich habe etwas mehr Aufwand getrieben und das Ding auch noch ein bisschen lackiert.
Nach dem Zusammenbau muss man die Übergänge der einzelnen Teile gut verspachteln.
Da ich kein Material dafür da hatte und einfach weitermachen wollte, habe ich diesen Schritt etwas grob ausgeführt. Dadurch kann man die Übergänge leider deutlich sehen.
Schade, das nächste Mal muss ich hier mehr Geduld und Arbeit investieren.

Graue Farbe!



Die hervorgehobenen Stellen, bei denen die Layerrillen besonders stören, habe ich mit UV-härtendem Lack eingepinselt. Das gibt eine sehr glatte Oberfläche.
Das deckt die aus dem 3D-Druck typischen Rillen der einzelnen Layer ab und verbessert die Haftung der anschliessenden Farbschicht.
Theoretisch könnte man das ganze Modell damit anmalen, das kostet aber viel Lack und Zeit.
Hier ging es erst mal darum, etwas Erfahrung zu gewinnen.
Zuerst habe ich den Ausserirdischen mit Grundierung aus dem Automobilbereich komplett eingesprüht.
Danach mit 400er Schleifpapier glatt geschliffen. So ganz glatt muss es nicht sein, das Alien hat sicher auch Hautunreinheiten, Pickel, Narben.



Nach der Grundierung wurde dann mit Airbrush alles komplett schwarz (!) lackiert.
Die schwarze Farbe dient der Verstärkung von Kontrasten.
Rillen und Vertiefungen, Muskeln und Gelenke, das kommt umso besser zur Geltung, je höher der Kontrast ist.
Natürlich musste auch diese Farbschicht wieder trocknen.
Geduld ist hier sehr wichtig, sonst kann die neue Farbe die alte wieder anlösen. Das gibt dann unschöne Effekte.
Es ist zwar nervig, wenn man immer wieder eine Pause einlegen muss, aber besser ist es auf jeden Fall!

Das ganze Alien wurde anschliessend mit Airbrush grau lackiert.
Dabei habe ich bewusst Vertiefungen ausgespart und nicht vollflächig gearbeitet.
Wenn man langsam arbeitet, kann man sehr schön sehen, wie einzelne Bereiche langsam heller werden. Da bekommt man schnell ein Gefühl, wo noch mehr Grau drauf soll und wo man durchscheinendes Schwarz möchte.
Nach der Ergrauung heißt es wieder warten.

Danach kommt noch eine Schicht Klarlack als Schutz über alles.
In diesem Fall semi-matt. Der Besucher soll eine matte, graue Haut bekommen.
Da ich mit grauem Filament gedruckt habe, ist der Unterschied im Farbton zwar nicht besonders groß, die gesamte Erscheinung ist aber durch die Lackierung erheblich aufgewertet!

Glänzende Augen!

Zum Abschluss bekommt das Alien noch große schwarze Augen.
Dabei muss man höllisch aufpassen, dass man wirklich nur die Augen lackiert.
Ich habe wieder mal gemerkt, wie zittrig ich bin.
Da kann ich andere nur bewundern. Gerade Linien schaffe ich in der Feinheit leider nicht.

Das Schwarz darf wieder trocknen, was auch sonst.
Danach habe ich glänzenden UV-härtenden Lack auf die Augen gepinselt.
Der Lack trocknet nicht, der wird mit UV-Licht gehärtet.
Anschliessend glänzen die Augen richtig toll.
Die Umgebung spiegelt sich in den Augen, das sieht fast lebendig aus.


Groß drucken!

Alles in Allem hat das Projekt eine Woche gedauert.
Davon war das meiste Wartezeit, entweder auf die 3D-Drucker (knapp 60 Druckstunden), oder auf das Trocknen der Farbe.
Ich habe wieder eine Menge gelernt. Vor allem die Ungeduld beim Verspachteln der Übergänge ist schade.
Da muss ich beim nächsten Projekt unbedingt sauberer arbeiten.
Die Airbrush-Pistole beherrsche ich jetzt auch für grobe Arbeiten.
Arbeiten mit UV-Lack geht klar.
Ganz langsam steigert sich mein Level, aber es ist noch ein weiter Weg.
Die nächsten Großdruck-Projekte sind schon in Planung, ich werde weiter berichten.