Wärmepumpe im Altbau – Teil 5: Heizsaison

Wärmepumpe im Altbau

Die Heizsaison läuft und wir schauen gespannt auf den Energieverbrauch unserer Wärmepumpe im Altbau.

Bringt eine Wärmepumpe einen Vorteil gegenüber einer Gasheizung?
Ist eine Wärmepumpe für den Altbau überhaupt geeignet?
Schauen wir auf die Verbrauchsdaten – das ist das, was zählt!

Wärmepumpe im Altbau - Teil 5: Heizsaison

November 2022 – fast 90% gespart!

Im November habe ich angefangen, die Heizungsanlage zu optimieren.
Vorher war es einfach nicht kalt genug. Die Optimierung geht nur, wenn die Anlage auch läuft.

KEINE Einzelraumregler!
Mittlerweile haben wir im EG ALLE Einzelraumregler entfernt!
Die reGIERung will, dass alle Heizungen mit “intelligenten” Thermostaten ausgerüstet werden und wir entfernen die Dinger ganz. Das ist böse!
Bei einer hydraulisch korrekt abgeglichenen Heizung geht es (von bestimmten Räumen abgesehen) auch ohne!
(Ich schreibe hier von einem Einfamilienhaus, bei Wohnanlagen kann es natürlich anders sein!)

Ausnahmen sind bei uns:
der Keller – der wird nur sporadisch beheizt, wenn jemand dort am Werkeln ist. Dafür benötigt man einen Thermostat (aber keinen smarten).
mein Druckerraum im Büro – Die Drucker heizen beim Drucken, dadurch wird es ziemlich warm. Wenn aber mal nicht gedruckt wird, muss geheizt werden. Das geht nicht ohne Thermostat.

Anständig gedämmt

Wärmepumpe im Altbau - Teil 5: Heizsaison
So dämmt der Heizungsbauer – der Laie dämmt nach!


Ich habe die Heizungsrohre nachgedämmt.
Das bringt schon einiges, denn die Heizung läuft 24 Stunden am Tag und Lecks geben 24 Stunden am Tag Wärme ab – die Dämmung muss vollständig sein!


Die Verbrauchsdaten im November

Wie ich in Teil 3 meiner Heizungsreihe bereits geschrieben habe, hat die Gas-Brennwertheizung im November die letzten Jahre durchschnittlich knapp 5000 kWh Energie benötigt.

Mehr sollte die Wärmepumpe natürlich auch nicht benötigen.
Bei einer Arbeitszahl von 3, die ich als Minimum akzeptieren würde, dürfte die Anlage damit knapp 1700 kWh Strom für Heizung und Warmwasser im November verbrauchen.

Die Messwerte:
Die Anlage hat im November insgesamt 565 kWh Strom gezogen!
Davon 473 kWh für die Heizung und 91 kWh für Warmwasser
Es wurden 2130 kWh Wärmeenergie erzeugt.
Daraus ergibt sich eine Arbeitszahl von 2130 kWh (Wärmeenergie) / 565 kWh (Strombezug) = 3,77

Es wurde aber auch weniger als die Hälfte an Heizenergie insgesamt benötigt.
Liegt das nur an der Auftrennung Einrohr OG / Zweirohr EG? An der niedrigeren Vorlauftemperatur? An der besseren Heizung? Ist es der Klimawandel?

Für einen ungedämmten Altbau ist das ganz OK.

Zum Vergleich:
Die Gas-Zentralheizung aus 2003 (Solvis Max SX 750) hatte vorher im Schnitt für November 5000 kWh Energie fürs Heizen + Warmwasser verballert – MIT Solarthermie.
Die Wärmepumpe aus 2022 (Vaillant aroTHERM VWL 105/6 A) benötigt im November 2022 565 kWh Energie fürs Heizen incl. Warmwasser – OHNE Solarthermie.
Die neue Heizung hat also nur 11,3 % der alten Heizung an Energie benötigt!
Das ist eine Ersparnis von fast 89 %!
Ich habe das mehrfach nachgerechnet und es scheint zu stimmen.

Die alten Daten passen zur Rechnung des Versorgers und sind bis 2006 zurück dokumentiert.
Die neuen Daten stimmen in der Anlage und im Stromzähler überein.
Der Strombezug hat sich im November 2022 um 233 kWh erhöht.
Die Solaranlage hat 104 kWh mehr erzeugt, die Einspeisung lag (dank Speicher) wie im Vorjahr bei 3 kWh, der Eigenverbrauch des Solarstroms betrug also knapp 100 %.
Mehrverbrauch 2022 also 337 kWh.
Bei 565 kWh Stromverbrauch für die Heizung haben wir also auch noch 228 kWh irgendwo anders gespart (565 kWh Heizenergie – 337 kWh Mehrverbrauch)

In Geldeinheiten ist der Unterschied dank der Weitsicht unserer reGIERung leider nicht so groß.
5000 kWh Gas zu 4,5 cent (bis Mitte 2021!): 225,- Euro
565 kWh Strom zu 26 cent (bis Ende 2022): 146,90 Euro
ab 2023 zu 42 cent: 237,3 Euro

Immerhin – Gas ab 1.1.2023 wäre 22 cent pro kWh, das wären dann 1100,- Euro !


Entweder habe ich irgendwo einen Rechenfehler, oder das ist sensationell.

Die Daten der Wärmepumpe sind konsistent und entsprechen der Erwartung.
Eine Arbeitszahl von 3,7 ist nach allgemeinen Informationen aus dem Netz nicht der Kracher, aber für einen Altbau durchaus akzeptabel.
Die Werte stimmen soweit

Der bisherige Verbrauch ist über mehr als 15 Jahre dokumentiert und stimmt auch.

Der extreme Minderverbrauch kann also nur an den zusätzlichen Optimierungen liegen oder die alte Heizung war extrem schlecht.
Wobei die alten Heizdaten ja durchaus im Rahmen eines ungedämmten Altbaus lagen.
Der Oktober zeigt ja schon eine ähnliche Reduzierung des Energieverbrauchs von 3300 kWh auf 186 kWh für Heizung und Warmwasser


Top Technik mit einem politischen Haken!

Die reGIERung will alles auf Wärmepumpen umstellen.
Im April hat unsere Gasheizung den Geist aufgegeben und nach Abwägung aller damals gültigen Randbedingungen (kein Gas mehr aus Russland, Gaspreisexplosion, Umstiegswunsch durch die reGIERung, usw) und die technischen Vorzüge (moderner, kein Gas mehr im Haus, Strom mit Solaranlage selbst machen), sind wir auf die Wärmepumpe umgestiegen.

Die Anlage ist schon ziemlich teuer, aber die Technik ist deutlich moderner und ich wollte auch nicht mehr zur Gasheizung zurück.

Ein schaler Beigeschmack bleibt aber, wenn jetzt die Gaskunden im Dezember nichts zahlen müssen und ab Januar die Gaspreisbremse greift.
Da fühlt man sich als Umsteiger auf eine Wärmepumpe schon ziemlich verarscht!
Gut, das werden wir sowieso immer, aber so offenkundig war das noch selten.

Zumal wir seit August auf die Auszahlung der BAFA-Förderung warten.
Da muss man Geduld haben – das hat der Staat aber nicht, wenn es um Steuern geht!


FROST!

Der erste “richtige” Frost ist da.
-4 °C zeigt das Thermometer am 9.12.2022.
Es ist ziemlich frisch draußen. Die Wärmepumpe läuft.
Das Haus wird warm, was will man mehr?
Da ich die Thermostate von den Heizkörpern entfernt habe, hat es im Wohnzimmer sogar 21 °C.
Das heißt, ich kann die Kurve noch minimal senken.
19 °C sind ja bekanntlich die neue Wohlfühltemperatur.
Der Vorlauf im EG mit Zweirohrsystem läuft mit 40 °C. Im OG mit Einrohrsystem sind es 38 °C.
Für ein Haus aus 1964, ungedämmt, nur mit Heizkörpern, ist das ganz ordentlich.
Den Vorlauf habe ich auf eine maximale Temperatur von 42 °C beschränkt.
Das sollte dann theoretisch auch bis – 10 °C ausreichen.
Den Heizstab, der zusätzlich eingebaut ist, habe ich erst einmal deaktiviert.
Das Teil heizt 1:1 mit Strom und wäre pure Energieverschwendung.
Vorher werfe ich lieber ein bisschen Holz in den Ofen, wobei das ja auch bald verboten werden soll.
Früher wusste man nicht, womit man heizen soll, weil es nichts gab, heute kann man nicht mehr heizen, weil alles bald verboten ist.
Seltsame Zeiten.


Dezember 2022

Der Dezember fängt dieses Jahr recht kalt an.
In den Vorjahren hatten wir einen Gasverbrauch zwischen 470 m³ und 570 m³, ich nehme mal 520 m³ als Durchschnitt. Bei 11 kWh pro m³ sind das 5720 kWh. Den Stromverbrauch für die Gasheizung dazugerechnet sind es ca. 6000 kWh Wärmebedarf im Dezember.

Bei einer Arbeitszahl von 3 dürfte die Wärmepumpe also maximal 2000 kWh verbrauchen.
Bei einer Arbeitszahl von 4 sollten es nicht mehr als 1500 kWh sein.

Die Kosten darf man sich gar nicht ausrechnen, Heizen wird langsam unbezahlbar.
Gas für 22 cent pro kWh wären alleine für Dezember über 1300,- Euro – so viel wie früher im ganzen Jahr.
Bis 2021 lagen die Heizkosten für Dezember bei unter 300,- Euro!
Strom bei 42 cent wären 630,- Euro – 840,- Euro, wenn die Anlage zwischen den beiden Werten oben liegt.
Leider war der Dezember bis 12.12. auch recht dunkel, die Fotovoltaikanlage konnte kaum zur Heizenergie beitragen.

Eisige Kälte

Wärmepumpen sind am effizientesten, wenn man nur niedrige Temperaturen ab 0 °C auf Wohlfühltemperatur heizen muss. Bei tiefen Temperaturen geht die Effizienz recht schnell in den Keller.
Der Dezember 2022 bringt Kälte, wie lange nicht. Am 13.12. sind es -9 °C!
Die Anlage ist auf 42 °C Vorlauftemperatur begrenzt.
Der Monoblock von Vaillant könnte natürlich noch viel mehr, dann würde aber die Effizienz weiter sinken.
Aktuell ist es noch warm, 21 °C sind möglich. Die Thermometer zeigen Werte zwischen 19,7 °C und 21 °C an – je nach Aufstellort und die Teile kommen aus China, +/- 1 °C sind da normal.

Der erste Test ist also bestanden – die gewählte Anlage reicht, um das Haus bis -9 °C warmzuhalten.

Ein interessanter Effekt:
Die Anlage vereist natürlich recht schnell und taut dann wieder ab.
Dazu wird heißes Wasser durch den Wärmetauscher außen gepumpt und gleichzeitig das Gebläse auf volle Leistung gestellt, damit das Eis quasi weggeblasen wird.
Ich konnte jetzt bereits 2x beobachten, wie eine Eis-Nebel-Wolke entstand.
Nur kurz, aber doch beeindruckend.
Da die Anlage nur 4 Meter von der Straße entfernt steht, könnte das die Passanten durchaus erschrecken.


Warum Fotovoltaik besser ist, als Solarthermie.

Aktuell zeigt sich der entscheidende Vorteil der Fotovoltaik.
Klar, Solarthermie hat vielleicht einen 3x besseren Wirkungsgrad. Nutzt man die Energie aber zum Heizen, dann wird der Solarstrom mit der Wärmepumpe wieder verdreifacht.
Das gibt sich also nicht viel.
ABER:
Es hat draußen aktuell -9 °C. Die Sonne scheint und die Fotovoltaik macht schon über 1,5 kW. Das kann komplett verbraucht werden.
Zum Heizen, für elektrische Geräte. Der ganze Strom kann genutzt werden.
Solarthermie-Anlagen werden heute kaum auf ausreichend Temperatur kommen.
Selbst wenn die Sonne in den Kollektoren 50 °C oder mehr erzeugt. Die meisten fossilen Heizungen dürften aktuell höhere Kesseltemperaturen haben.
Wenn der Heizkessel aber bereits durch den Brenner 60 °C hat, dann bringen 40 °C Solarwärme nichts.
Bei Fotovoltaik kann man jedes Watt verwenden, sobald die Anlage startet.
Solarthermie bringt im Sommer zu viel, im Winter zu wenig. Nur in der Übergangszeit ist Solarthermie optimal.
Fotovoltaik-Strom bringt zwar im Winter auch nicht viel, kann aber komplett genutzt werden.
Im Sommer kann man den Strom ebenfalls nutzen, denn da muss man immer mehr Kühlen und Stromverbrauch hat man immer.
Also lass Dir vom Heizungsbauer keine Solarthermie aufschwatzen!
Hau Dein Dach mit Fotovoltaik voll! – VOLL! Draufpacken, was geht!


Dezember 2022 – die Daten!

Es ist der 31.12.2022.
Zwar ist es gerade erst Mittag, aber dank Klimawandel soll es heute bis 20 °C warm werden.
Die Heizung hat bereits abgeschaltet – kein Heizbedarf am 31.12!
Damit kann man die aktuellen Werte ablesen.
Wie oben geschrieben, war der durchschnittliche Energiebedarf im Haus mit Gas bei ca. 6000 kWh pro Dezember.
Das sind Altbau-Werte! Im Neubau bräuchte man wohl weniger für das ganze Jahr.
Wir möchten einen Effizienzwert von 3 oder besser 4.
Also eine Arbeitszahl der Wärmepumpe von 3 oder besser und noch ein wenig mehr durch die Optimierung der Heizung.
6000 kWh Gas wären bei den aktuellen Preisen (ohne Gaspreisdeckel) 22 cent = 1320,- Euro!
(EINTAUSENDDREIHUNDERTZWANZIG!). Fünf mal so teuer, wie ein Jahr zuvor!

Verbraucht wurden für die Wärmepumpe 1215 kWh
Der Strom kostet pro kWh 26 cent, ab Januar 42 cent.
Das sind also aktuell 316 Euro, ab nächstem Jahr wären es 510,- Euro!

6000 kWh / 1215 kWh = Effizienzfaktor 4,94!
Zur Erinnerung: Mit dem Effizienzfaktor ist nicht der Wirkungsgrad der Wärmepumpe gemeint, das ist die Verringerung des Energieverbrauches gegenüber der alten Heizung!
Wir haben also nur 20% der durchschnittlichen Heizenergie der Vorjahre für Dezember benötigt.
Das ist WOW!

Dabei hat der Monat ziemlich kalt angefangen.
Bis -12 °C ging es hinunter und da zog die Wärmepumpe ordentlich Energie.
Mehrere Tage Dauerfrost kühlten das Gebäude ganz ordentlich.
Faszinierend waren die Abtauvorgänge, bei denen die Wärmepumpe die Ausseneinheit mit Heizungswasser erwärmt und das dadurch gelöste Eis am Wärmetauscher mit voller Gebläseleistung davon pustet. Das gab jedes Mal kurz eine Wolke, als wäre die Wärmepumpe explodiert (was sie aber natürlich nicht ist!)

Die Arbeitszahl ist gerade noch in Ordnung. Für einen Altbau ohne Isolierung akzeptabel.
Der Heizungsvorlauf ist bei 42 °C begrenzt und es war immer ausreichend warm, auch bei -12 °C.
Der Gesamtenergieverbrauch lag bei 1215 kWh. Aus der Umgebung wurden zusätzlich 2684 kWh Wärme gewonnen, gesamt wurden damit 3899 kWh Energie benötigt.
Das gibt eine Arbeitszahl im Dezember von 3,21.
Im Neubau sollte das natürlich deutlich besser gehen, aber für unsere Situation ist alles bis 3 noch OK.
Man darf den Dauerfrost und die -12 °C nicht vergessen!
Die Gesamt-Jahreszahl sollte natürlich besser werden.
Die Wetterdaten gibt es natürlich immer unter www.ingersheimwetter.de!
Den Monat Dezember direkt hier.
(übrigens auch alle anderen Monate)
Der Dezember 2022 war zwar insgesamt 1,5 Grad zu warm, die Vorjahre aber über 2,5 Grad wärmer, als im langjährigen Mittel. Damit ist der Dezember 2022 sogar kälter, als die 5 Vorjahre!

Fazit für Dezember:
Anfangs bei den tiefen Temperaturen hatten wir schon ein wenig Bammel, wie sich der Monat entwickeln würde, aber der Gesamtmonat ist wieder besser als erwartet.
Kein Gas verbraucht – Putin und die Scheichs können mich mal!
Natürlich werden auch für den Strom fossile Energieträger benötigt – aber immer weniger!

Nur noch 20% der Vorjahresenergie benötigt!
Ohne Dämmung – nur durch Austausch der Gasheizung durch eine Wärmepumpe und durch Optimierung!

Wärmepumpe im Altbau? Das geht!

Übrigens – der Gesamtenergieverbrauch für Heizung und Warmwasser in 2022 stellt sich wie folgt dar:

ca. 17.000 kWh von Januar bis April (da hat die Gasheizung den Geist aufgegeben)
2155 kWh von Mai bis Dezember
Gesamt 19155 kWh für Heizung und Warmwasser.
Schon mal über 30% Einsparung gegenüber den Vorjahren.
Hochgerechnet auf ein Gesamtjahr mit Wärmepumpe, sollte ein Verbrauch von unter 5000 kWh möglich sein.
In “Energie” gesehen ist das beachtlich.
Leider fressen die extremen Energiepreissteigerungen alles wieder weg.
Allerdings wäre das Heizen ohne den Umstieg bald unbezahlbar!

Bei 42 cent / kWh wären das dann 2100,- Euro
Die “Strompreisbremse” ist natürlich lächerlich, im Vergleich zur Gaspreisbremse, aber rechne nicht mit dem Staat – darauf kannst Du Dich nicht verlassen!

Mit Gas und 33.000 kWh wären wir schon bei 7260 Euro!
Man darf gespannt sein.
Übrigens: die Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist aus 2006.
Irgendwann wird die durch eine neue Anlage mit Eigenverbrauch ersetzt. Dann wird das Heizen günstiger, oder der weitere Anstieg wird gebremst.
Bei Gas gibt es dagegen nur eine Richtung -> immer teurer!