Wärmepumpe im Altbau – Teil 3: Jetzt wird geheizt

Wärmepumpe im Altbau
Unsere Vaillant-Wärmepumpe

Am 18.9. war es draußen ziemlich frisch und auch die Temperaturen im Haus gingen langsam zurück.
Ein Sonntag ist der ideale Tag, um sich mit der neuen Heizungsanlage zu beschäftigen.

Also bin ich in den Keller und habe unsere neue Wärmepumpenheizung für den Heizbetrieb freigeschaltet.

Wir waren gespannt und tatsächlich – es wurde warm im Haus!
Die korrekte Einstellung und Optimierung ist aber ein sehr langfristiger Prozess.
Da kann man natürlich auch viel falsch machen. Man muss viel Geduld haben und sich damit beschäftigen.
0815 kann jeder, die meisten Heizungsanlagen werden vermutlich auf Werkseinstellung betrieben.
Wir wollen das besser machen!

Wärmepumpe im Altbau - Teil 3: Jetzt wird geheizt

Diese Seite ist noch in Bearbeitung, Ihr dürft aber gerne meine Gedanken in “Echtzeit” verfolgen…



Ein kleines Heizprotokoll zu unserer Wärmepumpe.
Nur durch langfristige Beobachtungen kann man so ein System optimal einstellen.
Temperaturen innen wie außen ändern sich dauernd, die Sonneneinstrahlung wärmt das Haus, der Wind kühlt es ab. Die Luftfeuchte hat ebenfalls einen Einfluss auf das Temperaturempfinden.

18.9.2022
Die Heizsaison beginnt. Ich schalte die Heizkreise unserer Wärmepumpe ein.
Es hat außen nur 12 °C, innen 19 °C, ein bisschen muss nachgeheizt werden.
Nach kurzer Zeit ist die Raumtemperatur angenehm. Viel Zeit zum Experimentieren bleibt aber nicht, da es draußen wärmer wird und die Heizung daher abschaltet. Ich stelle die Heizgrenze auf 16 °C, aber auch die sind schnell erreicht. Wir warten auf kältere Tage.
Immerhin – die Heizung läuft, die Wohnung wird erwärmt, es funktioniert.

21.9.2022

Der Tag beginnt ziemlich frisch. Nur 3 °C außen, Pfützen vor dem Haus sind gefroren – Bodenfrost!
Im Haus ist es angenehm warm.
Die Leitungen rauschen, die Einstellung auf Stufe 6 ist zu hoch. Ich drehe die Regler auf 3.
Damit verschwindet das Rauschen. Nach einiger Zeit wird es in der Wohnung sogar wärmer!
Ich vermute, dass es bei zu viel Durchfluss zu Verwirbelungen und damit zur Vermischung von warmem und kaltem Wasser kommt, die Heizleistung sinkt dadurch.
Welchen Durchfluss die Heizungsanlage maximal verträgt, muss man ausprobieren.
Die Heizkreispumpen sind abgespeckte Modelle ohne Anzeige.
Ein Drehregler für die Einstellung der Leistung, das war es.
Eine Anleitung ist nicht dabei, das Teil ist ja eigentlich auch nicht dafür gedacht, vom Betreiber verstellt zu werden. Aber Stufe 6 – Volle Pulle – ist einfach zu viel
Die alte Pumpe war dieselbe – mit Display. Stufe 3 sind 800l/h.
Da wir jetzt EG und OG aufgetrennt haben und mit 2 Pumpen arbeiten (wegen Systemtrennung 1-Rohr/2-Rohr), sollten bei 2 Pumpen mit dieser Einstellung insgesamt 1600l/h durchfließen, das ist für eine Wärmepumpe eine gute Ausgangsbasis.
Die Anleitung muss man leider erst mühsam im Internet suchen. Ein Punkt Abzug für Vaillant!

Die Heizgrenze, also die Temperatur, bei der die Heizung einschaltet, setze ich wieder von 16 °C auf 15 °C, außerdem senke ich die Heizkurve von 0.6 auf 0.5, d.h. bei tieferen Temperaturen steigt der Vorlauf weniger stark. Wird es draußen kälter und drinnen kann die Wunschtemperatur nicht gehalten werden, dann muss die Kurve wieder rauf.
Ansonsten darf die Kurve weiter gesenkt – bis es eben nicht mehr warm wird.
So tastet man sich langsam an die korrekte Einstellung heran.
Aber das stellt man idealerweise dann ein, wenn es außen ganztägig kalt ist.
Und da die Temperatur sehr träge ist, muss man dann auch min. 24 Stunden warten, bis man weitermacht.
Tagsüber brutzelt die Sonne vom Himmel. Es wird über 16 °C warm, die Heizkreise schalten ab. Ein paar Watt Sonnenenergie können aber trotzdem für das Heizen verwendet werden. Der Rest geht in den Hausverbrauch, in den Haus-Akku und in unser Elektroauto.
Möglichst wenig Einspeisen heißt die Devise.
Bei den lächerlichen Vergütungen verbraucht man den Strom besser selbst.
Am Abend sind dann doch 2 kWh ins Netz geflossen, für die Nachbarn.

22.9.2022

Vor 2 Wochen noch 30 °C, heute früh zeigt das Thermometer nur noch 2 °C an.
Im Bad ist es etwas frisch, aber angenehm. Dort gibt es nur so einen Handtuchheizkörper.
Der hat natürlich mit den bisherigen Vorlauftemperaturen der alten Heizung deutlich mehr Wärme abgeben können. Eine Erhöhung des Vorlaufs ist aber nicht nötig. 21 °C im Bad ist OK, auch wenn man es da gerne kuschelig warm hätte. Nach dem Duschen ist es automatisch wärmer.
Vielleicht sollte man die Handtücher anders aufhängen, damit sie nicht zu viel vom Heizkörper abdecken.
Für den richtig kalten Winter steht noch eine elektrische Fußbodenheizung zur Verfügung.

Im Wohnzimmer hatte ich am Vorabend die Einzelraumregler abgeschraubt. Laut Internet ist die Wärmepumpen-Heizung ideal eingestellt, wenn man KEINE Einzelraumregler verwendet und die Temperatur konstant bleibt. Das Thermometer zeigt auf den Punkt 21.5 °C an – bei 2 °C außen.
Der Heizungs-Vorlauf liegt aktuell bei 32 °C. Bei 2 °C Außentemperatur mit Heizkörpern ist das OK

Es ist allerdings ein seltsames Gefühl, wenn man den Heizkörper anfasst und dieser sich kalt anfühlt.
32 °C fühlen sich bei Metall nicht warm an. Früher ging die Heizung bei 2 °C Außentemperatur schon deutlich über 40 °C Vorlauf.
Trotzdem wird der Raum anständig warm. Da muss man sich dran gewöhnen.
Die Wärmepumpe taktet 1x pro Stunde, die Leistung im Hausnetz schwankt dabei um ungefähr 1,7kW.
Bis jetzt sieht der Verbrauch noch gut aus, abgerechnet wird am Monatsende.

Im Büro sind die Heizkörper kalt, es ist aber warm. Also hat die Einzelraumregelung die Heizkörper abgewürgt.
Im Büro ist ein Einrohrsystem verbaut, das ist etwas komplizierter!
Alle Heizkörper hängen seriell hintereinander. Bei einem Zweirohrsystem sind die Heizkörper parallel angeschlossen.
Dreht man die Heizung ab, dann fließt das Wasser über ein Ventil am Heizkörper vorbei, der nächste Heizkörper wird dadurch wärmer!
Das macht den Abgleich etwas komplizierter, weil die Leistung des letzten Heizkörpers von der Wärmeabgabe des ersten Heizkörpers im Stang abhängig ist.
Ist der erste Heizkörper in Betrieb, dann wird der letzte kalt. Ist der erste Heizkörper an, dann wird der letzte warm. Daher muss man das ganze 1-Rohr-System im Ganzen betrachten.
Ich entferne die Einzelraumregler. Mal sehen, was passiert.
Eine Stunde später habe ich 24 °C im Büro. Also kann ich die Heizkurve im Keller etwas flacher stellen.
Ich ändere sie auf 0.4
Die Wunschtemperatur ändere ich auf 21 °C
Für heute ist das genug – wie gesagt, die Heizung ist sehr träge.
Der Vorlauf im OG liegt jetzt bei 28 °C bei 5 °C Außentemperaturen. Ob das reicht?
Man erinnere sich – Altbau aus 1964!

Einzelraumregler (ERR)
im Internet liest man immer wieder davon, dass man Einzelraumregler bei einer korrekt eingestellten Heizung nicht benötigt. Aber so richtig vorstellen, wie das ohne die Teile funktionieren kann, das ist schwer.
Was macht ein Einzelraumregler?
Die Heizung ballert warmes Wasser durch die Leitungen.
Die Heizung gibt die Wärme an die Wohnung ab und wenn diese warm genug ist, dann dreht der Einzelraumregler die Heizung ab.
Die Heizung schiebt aber weiter warmes Wasser durch die Leitungen. Das kostet Energie.
Je höher die Temperatur im Heizkreis, desto ineffizienter läuft die Wärmepumpe.
Ideal wäre es, wenn die Wärmepumpe genau die Temperatur und Wärmemenge liefert, mit der die Räume immer auf Wunschtemperatur gehalten werden.
Dazu gibt es den Außentemperaturfühler und die Einstellung der Solltemperatur (Wunschtemperatur, Sockeltemperatur) und Steilheit der Heizkurve.
Die Heizung liefert abhängig von der Außentemperaturen immer eine bestimmte Energie.
Welche Solltemperatur und welche Heizkurve zum Haus passt, das muss man natürlich ermitteln.
Zuerst durch eine Berechnung und dann durch Überprüfung und Optimierung im laufenden Betrieb.
Das dauert!
Ich habe die Einzelraumregler teilweise entfernt und bisher läuft alles wie geplant.
Als wären die Dinger Voodoo – die braucht man bei einer korrekt eingestellten Heizung überhaupt nicht!

Hydraulischer Abgleich!

Jetzt hat man im Wohnzimmer und beispielsweise in der Küche die ERR entfernt.
Im Wohnzimmer ist es schön warm, in der Küche wird es kühler.
Also muss man den Vorlauf ein wenig höher einstellen, damit es in der Küche wärmer wird.
Dann wird es aber im Wohnzimmer zu warm.
Deshalb muss man dort an der Heizung unten die Justierventile etwas zudrehen – wenig, langsam und mit Geduld – die Temperaturänderung erfolgt sehr träge!
Zuerst optimiert man das Heizsystem auf den Raum, der am schlechtesten warm wird.
Dann stellt man die anderen Räume nach und nach passend ein, bis am Schluss alle Räume gleichmäßig temperiert sind.
Das ist, grob gesagt, der hydraulische Abgleich.
In einem Neubau kann man das vorab berechnen.
Bei Bestandsgebäuden wird es schwierig – das ist abhängig von den Leitungen und von den Heizkörpern. Teilweise gibt es zu den Teilen keine technischen Daten mehr.
Die Größe kann man noch messen, aber die Wärmeleistung?
Die meisten Heizungsbauer stellen eine Heizung hin, schalten ein und wenn es warm wird, dann passt es.
70 °C Vorlauf, da ist immer genug Temperatur vorhanden, damit die Heizkörper warm werden.
Den Überschuss an Energie würgt man dann einfach mit den Einzelraumreglern wieder ab.
Hydraulischer Abgleich? Viel zu aufwändig.
Effizienz ist etwas anderes.
Bei einer fossilen Wärmequelle wird Feuer verwendet, das ist sowieso heiß. Da fällt das nicht so auf.
Bei einer Wärmepumpe ist es aber extrem wichtig, den Vorlauf möglichst niedrig zu halten, sonst wird das System schnell ineffizient.

In einem ungedämmten Altbau, in dem sich die Temperaturen zwischen Nord- und Südseite extrem unterscheiden können, weil auf der einen Seite vielleicht der Wind durch pfeift und auf der anderen Seite die Sonne auf die Wand brutzelt, da können Einzelraumregler sinnvoll sein, wenn sich die Räume sonst über die Tageszeit zu unterschiedlich temperieren.
Oder bei Räumen, die nur manchmal beheizt werden müssen.
Im Keller, der Hobbyraum, oder das Dachgeschoss. Das ist überall anders. Jeder muss sein eigenes Konzept erarbeiten. Das braucht natürlich Geduld.
Wenn die Sonne ins Wohnzimmer brutzelt, dann muss der Heizkörper runterregeln, auf der Nordseite ist es aber kalt, da darf weiter geheizt werden. Das geht nur mit individueller Regelung der Heizkörper.
Es kommt also immer auf den Einzelfall an!

September-Verbrauch

Der Durchschnitts-Verbrauch der alten Gasheizung lag bei 44 Kubikmeter für Heizung und Warmwasser im September. Das sind ca. 440 kWh Energie.
Die Anlage hatte allerdings Solarthermie,
Der Strombedarf der Heizung wurde nicht gemessen. Bei 100 Watt wären das zusätzlich 72 kWh
Insgesamt wurden bisher also ungefähr 512 kWh Primärenergie fürs Heizen im September benötigt.
Das Minimum-Ziel für die Arbeitszahl liegt bei 3. Das wäre nicht gut, aber gerade so vertretbar, bei einer Wärmepumpe im ungedämmten Altbau. Dann wären es 170 kWh. (512 /3)
Da die Solarthermie nicht mehr läuft, darf es auch etwas mehr sein.
Sagen wir 200 kWh für Heizen und Warmwasser, das wäre die obere Grenze der Erwartung.

Teil 1 – Wärmepumpe im Altbau

Teil 2 – Wärmepumpe im Altbau – do it yourself

Teil 3 – Wärmepumpe im Altbau – jetzt wird geheizt!

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