Neulich beim Zoll


Hier eine wahre Geschichte mit dem Zoll, geschehen letzte Woche.

 

Vorgeschichte:

Ich wollte mir für meine Drucker einen Luftreiniger bauen.

Neben einem vorhandenen Venta Luftwäscher und einem NoName Gerät mit HEPA-Filter sollte es etwas eigenes sein, etwas selbstgebasteltes.

Gefunden habe ich im Internet den Xioami Air Filter 2 – einen sehr interessanten Ansatz – Luftansaugen rundum durch einen Rundfilter, Ausstoß der frischen Luft nach Oben. Der Filter mit HEPA-Filter und Aktivkohle-Einsatz.

Na sowas kann man auch billiger selber bauen, Lüfter habe ich in der Bastelkiste, ein Gehäuse ist schnell zusammengeschraubt, Steuerung über eine APP brauche ich nicht. fehlt nur der Filter. Am einfachsten den gerade gefundenen oder etwas ähnliches. Im Baumarkt gibt es diese Größe nicht, zumindest nicht in der Filterklasse.

 

Also eine Mail an die Firma Mann & Hummel, die sitzen hier gleich um die Ecke.

Antwort:

“Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die von Ihnen angefragten Produkte nicht zu unserem Lieferprogramm gehören und nicht unseren technischen Standards entsprechen.”

Nur dumm daß die Dame den gesamten internen Mailverkehr mit weitergeleitet hat.

Da hatten sich nämlich 4 Leute die Mühe gemacht, meine Anfrage weiterzuleiten und einer der wohl verantwortlich ist schrieb an seine Mitarbeiterin nur :

“Hallo,

bitte absagen.

Gruß”

Ich meine, mindestens ein Name als Anrede und einer als Absender müsste bei internen Mails schon zum guten Ton gehören, und anscheinend hatte der Mensch keinen Bock mir so einen Filter zu verkaufen. Es besteht ja auch nicht die Gefahr daß ich zum Großkunde werde.

Bei soviel Arroganz habe ich eben woanders weiter gesucht und den Original-Hersteller des Filters gefunden.

Lustigerweise ist das ein japanischer Hersteller namens TORAY mit Vertretung in Deutschland und 10x größer als Mann&Hummel.

Nur – auch dort hat man kein Interesse an so kleinen Kunden wie mir. Keine Antwort auf meine Anfrage.

Im Baumarkt gibt es das Ding nicht, bevor ich dann weiter nach Alternativen gesucht habe (die Größe ist bei Eigenbau ja egal)  dachte ich, ich bestell einfach mal das Gefundene in China. Ist ja kein Problem: China Marketplace, anklicken, bestellen, per Paypal zahlen.

 

…und dann der Zoll.

Versand per “Air Mail” kostenlos.

Ein paar Tage später bekam ich einen Brief von der Post daß ein Päckchen nicht verzollt werden könnte und ich das doch selbst beim Zoll in Ludwigsburg abholen sollte. Ein Absender war natürlich NICHT aufgeführt und als Import-Land wurde Schweden genannt.

Was hatte ich aus Schweden bestellt? Und bei wem? Keine Ahnung.

Nach einiger Suche, einem Verdacht und dem Tracking auf der Chinesischen Webseite die sich über 3 verschiedene Lieferdienste erstreckte (China, Schweden, Deutsche Post) – fand sich dann eine Übereinstimmung – die Schwedische Trackingnummer war identisch mit der bei der Post aufgeführten. Die Lieferung aus China war also wohl über Schweden gelaufen, warum auch immer.

 

Gut daß meine Eltern Rentner sind, die habe ich dann darauf angesetzt.

Da ich weiß daß die Chinesen gerne Rechnungen mit Fantasiepreisen oder einfach garkeine beilegen habe ich pflichtbewusst den Warenkorb ausgedruckt und dazu die Paypal-Zahlung.

Ich hatte schon ab und an etwas importiert und das ging bisher immer gut.

Diesmal aber nicht…

 

Ich erhielt einen Anruf meiner Eltern daß der Zoll die Ware nicht freigeben wollte. Das Telefon wurde an den Zollbeamten weitergereicht.

Der erklärte mir daß das GERÄT wegen fehlender Anleitung nicht ausgehändigt werden könne.

Auf meinen Einwand daß es sich NICHT um ein Gerät sondern lediglich um einen PAPIER-Filter mit Aktivkohle-Einsatz handle meinte er das wäre egal, es müsse IMMER eine Anleitung dabei sein solche Pakete von Xioami würden jede Woche 5-6 beim Zoll aufschlagen und die würden alle NICHT ausgehändigt.

Aha – da ging es anscheinend nicht um den Filter sondern um den Hersteller. Klar Xioami verkauft neben Handys und Mi-Band (Activity-Tracker) jede Menge Elektrozeug das sich jeder frei im Web bestellen kann. Und das Zeug ist begehrt, da hatte ich schon einiges drüber gelesen.

Ich versuchte es dann mit dem Argument daß im Baumarkt doch bei einem Luftfilter auch keine Anleitung dabei liegt. Keine Chance: Es muss immer bei jedem Gerät eine deutsche Anleitung beiliegen, sonst keine Verzollung!

Da habe ich aber schon eine Menge in deutschen Geschäften OHNE ANLEITUNG gekauft. Also alles illegal. Aber eben von großen Firmen, also nicht ganz so schlimm wie wenn man sich als Privatmensch einen Papierfilter mit Aktivkohle direkt in China bestellt. Naja, wer macht denn auch sowas. Ähm ja, ich war wohl etwas naiv.

Es klickt sich ja auch so einfach im Web was in den Warenkorb.

 

Das Argument daß es sich NICHT um ein Gerät handelte brachte mich nicht weiter. Auf mein Argument daß ich doch auch eine Schraube importieren könnte und was da dann in der Anleitung stehen müsste hiess es nur: “keine Diskussion”. Einzige Option: Annahme verweigern, das Ding geht zurück.

Also erst mal geschluckt und dann der Rücksendung zugestimmt.

STINKESAUER! Nachgedacht, durchgeatmet. was war schief gelaufen.

Elektrogeräte, Spielsachen und einige andere Dinge benötigen ein CE-Zeichen. Daneben gab es noch RoHS-Registrierung und einige andere Vorschriften. Aber daß bei einem LUFTFILTER eine Anleitung dabei sein muss?

 

Nochmal Luft geholt und dann ist mir eingefallen – hey, ich importiere doch auch gewerblich, habe sogar eine eigene Zollnummer. OK, das läuft allerdings ganz anders und ich selbst habe da mit dem Zoll nichts zu tun: der Absender legt im Gegensatz zu den Chinesen die direkt an Endkunden versenden eine ordentliche Rechnung dazu, es gibt Unbedenklichkeits-Nachweise und alle Belege die der Zoll so braucht. Eine Anleitung gibt es allerdings nicht, denn die Ware wird nur für mich produziert. Die deutsche Anleitung habe ich dazu selbst geschrieben. DHL macht die Zollabfertigung, die Ware kommt bis zu meiner Haustüre und ein paar Tage bekomme ich eine Rechnung für Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren.

Alles korrekt und perfekt.

 

OK, probieren wir es anders.

Nochmal ein Versuch mit Anruf beim Zoll, es geht nicht um den Popel-Filter sondern um das Prinzip, ich will einfach wissen wie das korrekt ablaufen muss:

Nach einigem Klingeln komme ich durch: “Meine Eltern waren vorher bei Ihnen…”, Ah ja, es geht um den Luftfilter? Ich verbinde.”

“Hallo, Sie rufen an wegen dem Luftfilter?”

Huch? Bin ich Zollbekannt?

“Ähm ja, ich wollte fragen wie das ist wenn ich das Ding gewerblich importiere, brauche ich dann auch eine Anleitung? Dann wäre ich doch der Importeur und könnte die Anleitung selber schreiben. Ausserdem ist das Teil nicht zum Verkauf sondern für den Eigenbedarf…”

“Nee, wir haben das besprochen und mit dem Regierungspräsidium Rücksprache gehalten, Der Filter ist unbedenklich, Sie können das Teil abholen”

??? Hä? Die haben die Abgabe verweigert und anschliessend intern darüber diskutiert und beim Regierungspräsidium angerufen? Wie seltsam ist das denn.

Naja, jedenfalls durfte ich den Filter abholen – natürlich mit mit bezahlter Einfuhrumsatzsteuer, Stempel, Beleg und allem drum und dran.

 

Allerdings wollte ich dann noch wissen wie das denn korrekt laufen würde, immerhin wollte ich mir einen Luftreiniger basteln und die Filter halten nur 6 Monate. Beim nächsten Mal wollte ich doch alles richtig machen.

Vielleicht findet sich ja noch ein Lieferant in Deutschland, aber wie das mit dem Import korrekt funktioniert will ich jetzt doch ganz genau wissen. Soll ja alles seine Ordnung haben.

Antwort: “dazu können wir nichts sagen, fragen Sie doch mal bei der IHK, die sind da ganz kompetent.”

 

Die Zoll-Mitarbeiter waren alle sehr freundlich und bemüht, das sind Menschen wie Du und Ich, denen kann man keinen Vorwurf machen. Immerhin gibt es Vorschriften.

Aber anscheinend gibt es da ein paar rote Tücher wie XIOAMI / GIFT (Geschenk) /China. Vermutlich wird der Zoll mit illegalen Geräten geflutet die über Amazon/eBay/China-Marktplätzen von jedermann bestellt werden können und dann dort aufschlagen.

Deswegen vermutlich auch der dauernde Hinweis auf “das Gerät”.

Ob die mich wohl nochmal angerufen hätten? Wohl kaum.

Warum aber dann die interne Diskussion und Rücksprache mit dem Regierungspräsidium?!

War Gefahr im Verzug? Diente der Filter vielleicht zum Eigenschutz bei der Vorbereitung eines Chemischen/Biologischen/Atomaren Anschlags?  Falls ich nächste Woche nicht mehr da bin hat wohl ein SEK zugeschlagen.

 

Alles quatsch! Es geht um eine Selbstbaufilter für meine Bastelstube. Lösemitteldrucker und 3D-Drucker dampfen giftiges Zeug aus und das muss aus der Luft raus, dazu ist Staub ebenfalls ein Problem und der Ansatz mit Rundfilter hat mir gefallen.  Für Staub reicht schon eine Filterklasse weniger, aber für die Ausdünstungen und flüchtigen Organischen Verbindungen (VOC) braucht es schon was mit Aktivkohle.

Als Laie stelle ich mir das Regierungspräsidium als recht “wichtig” vor, warum sollte sich das mit einem Luftfilter für 30,- Euro beschäftigen? Gibt es nichts wichtigeres?

 

Irgendwas läuft mächtig schief in Deutschland, das ist einfach frustrierend.

Wenn man ehrlich sein will ist man einfach der Dumme.

 

Deswegen lege ich auch gleich mal nach und schreibe was zum Steuerbetrug im Internet. – aus Sicht eines Laien!

 

PS.:

bei meiner Recherche fand ich heraus daß man in den China-Shops nicht per Airmail bestellen darf sondern per Priority-Line. Dann geht der Versand viel schneller und die Zoll-Abwicklung wird angeblich vom Anbieter übernommen.

Der Versand erfolgt dann über England und nach Deutschland geht es per DHL-Paket als innergemeinschaftliche Lieferung.

Soweit interessant. Aber wenn der Chinese das verzollt, dann sollte man doch meinen daß er die Kosten weiterreicht – Einfuhrumsatzsteuer + Zoll sind ja mindestens 19%, in England als VAT sogar 20%

Aber nein – wechselt man im Shop zwischen Air Mail und Priority Line, dann ändert sich der Preis NICHT!

Sehr seltsam.

Hier gibt es wohl eine große Grauzone. Da müsste mal die Steuerprüfung und der Zoll ansetzen.

Ich jedenfalls habe meinen Luftfilter jetzt offiziell und korrekt importiert, wenn auch etwas umständlich.

Das Gerät baue ich auf jeden Fall flexibel – je nachdem was für Filter ich das nächste Mal in die Finger bekomme.

 

PPS.:

gerade eine Lieferung von Amazon entgegen genommen – E14 Leuchtmittel von Osram und Sebson Germany (Made in China) – eine Anleitung war aber nicht dabei. Dabei sind die Leuchtmittel immerhin zum Einschrauben in 240V. Da stelle ich mir eine Anleitung sinnvoll vor. “Achtung 240V, nur vom Fachmann einbauen lassen, vorher Gerät stromlos schalten. An die Ehefrau: falls Ihr Ehemann an der Lampe zappelt: nicht anfassen, besser die Sicherung rausdrehen.” – oder so ähnlich. Aber bei einem Papierfilter?

Immerhin Verkauft und Versand durch Amazon – die dürfen das vermutlich.

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