Projekt: Geschwindigkeitsüberwachung durch Hilfskräfte

April-April!

Sorry Leute, Geschwindigkeitskontrollen sind auch weiterhin Aufgabe des Staates.
Nachdem ich darauf hingewiesen worden bin daß ein privater Blitzer im Garten in Deutschland NICHT zulässig ist möchte ich den April-Scherz hiermit auflösen und darauf hinweisen: Nicht selber basteln, private Verkehrsüberwachung ist verboten. Die Kamera stand nur für die 2minütige Fotosession in der Einfahrt, es fuhr zu der Zeit kein Auto vorbei.

Da ich aber eindeutig schrieb daß es sich NICHT einfach nur um das Aufstellen einer privaten Kamera handelt und es sich NICHT um eine Handlungsanleitung zum Eingriff in den Straßenverkehr handelt sollte die Sache mit der Auflösung als Aprilscherz erledigt sein. Es stand im Text eindeutig daß man eine Lizenz bei der Gemeinde beantragen muss. Spätestens dort wäre der Aprilscherz aufgeflogen.

Also nochmal: keine privaten Blitzer in den Garten stellen – ist verboten!

Aprilscherz 2019

Im Land Baden-Württemberg gibt es zur Zeit Überlegungen, ob und wie private Geschwindigkeitsüberwachung zugelassen werden kann.

Wegen der dauerhaften Überlastung der Polizei und Verkehrs-überwachungsbehörden können Geschwindigkeitsverstöße leider nicht ausreichend verfolgt und geahndet werden.

Daher wurde jetzt ein Projekt gestartet in dem Privatpersonen für die Verkehrsüberwachung eingesetzt werden um die Verkehrssicherheit durch die Ausweitung von Geschwindigkeitskontrollen zu erhöhen.

Aus Sicherheitsgründen ist das Projekt derzeit auf die Überwachung von 30er-Zonen und Spielstraßen beschränkt. Insbesondere vor Schulen und Kindergärten besteht ein erhöhter Bedarf zur Kontrolle der von den Behörden aus Personalmangel nicht ausreichend abgedeckt werden kann.

Für diese Bereiche sollen zukünftig geschulte Privatpersonen eingesetzt werden.

Die Studie läuft zwar noch bis Ende 4/2019. Wegen der äußerst positiven Resonanz soll das System aber nächsten Monat in den Regelbetrieb übergehen.

Ich mach mit!

Soweit der offizielle Text. Ich durfte an diesem Projekt teilnehmen und möchte hier kurz meine Erfahrung mitteilen.

Da wir gegenüber einem Kindergarten wohnen und in der Straße oft gerast wird war ich gleich dabei als ich die Möglichkeit zur Teilnahme an diesem Projekt erhielt. Es wurden 50 Bereiche gewählt die als besonders überwachungsbedürftig gelten. Jeder Projektteilnehmer bekam einen Bereich zugewiesen. Dabei wurde natürlich darauf geachtet, daß der Bereich zu Fuß erreichbar sein muss um nicht zusätzlichen Verkehr zu erzeugen.

Im Regelbetrieb sollen später Straßenblöcke ausgewiesen werden auf die sich Interessenten bewerben können. Die Begrenzung ist nötig um eine Überschneidung der Kontrollbereiche zu vermeiden. Für einen solchen Block kann man sich dann bewerben und bei Zusage erhält man das Exclusivrecht zur Geschwindigkeitsüberwachung in diesem Bereich.

Voraussetzungen

Damit das alles auch korrekt abläuft und rechtlich einwandfrei funktioniert gibt es ein paar Hürden. Diese sind aber relativ einfach und sollten von den meisten Menschen zu schaffen sein:

  • Man darf den Verkehr nicht privat überwachen sondern benötigt eine Lizenz, diese ist bei der zuständigen Gemeinde zu erwerben.
  • Man darf selbst keine Punkte in Flensburg haben
  • Man muss weniger als 3 Strafzettel in den letzten 3 Monaten erhalten haben (erhält man mehr als 3 Strafzettel in 3 Monaten verfällt die Zulassung zur Überwachung)
  • Man muss die offizielle Schulung und Einweisung mit Abschlusstest erfolgreich abschliessen. Darin werden Kenntnisse im Straßenverkehr abgefragt, ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung. Ausserdem erfolgt eine Einweisung in das Überwachungsgerät.
  • Da man als Aufwandsentschädigung für die Überwachung anteilig vergütet wird muss man ein Gewerbe anmelden (Kleingewerbe reicht, Anmeldung bei der Gemeinde)
  • Man muss pro Woche mindestens 10 Verstöße dokumentieren und abliefern.

Ich bin ein Gük!

Hat man die Zulassung für die Verkehrsüberwachung, dann ist man offiziell eine Geschwindigkeits-Überwachungs-Kraft (abk. GÜK). Dafür gibt es natürlich auch einen Ausweis.

Das ist nötig damit man sich bei Problemen mit Verkehrsteilnehmern ausweisen kann.

Kosten/Nutzen

Neben der Gewerbeanmeldung ist noch der Erwerb eines zertifzierten Überwachungsgerätes notwendig. Für die Projektteilnehmer wurde ein Geschwindigkeitsmessgerät kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Regelbetrieb soll das Gerät 1419,- Euro kosten, Miete soll wohl auch möglich sein.

Pro Temposünder erhält man abhängig von der Geschwindigkeitsübertretung gestaffelte Erfolgsprämien. ab 10km/h zu schnell 10,- Euro, ab 20km/h zu schnell 20, -Euro, ab 30km/h zu schnell 30,- Euro.

Ich habe während der Studie pro Woche ungefähr 800, -Euro netto Einnahmen mit dem Gerät erzielt. Dazu muss ich anmerken daß der Standort bei uns im Hof ideal ist: Kindergarten gegenüber, breite Straße die zum Rasen einlädt. Einfach Gerät in den Hof stellen und warten. Der Rest erfolgt vollautomatisch.

Überwachungshardware

Es handelt sich dabei um das Kodak DC 50 Traffic Control System.

Das Gerät enthält eine hochauflösende Digitalkamera mit Zoomobjektiv (im Foto mitte Links) sowie ein 3D-Infrarot-Laser-Messsystem für die Geschwindigkeitsmessung (die 2 Knubbel ganz links). In der Mitte befindet sich die Sucher-Optik und Ultraschall Geschwindigkeitsmesser. Ganz rechts befindet sich der Blitz für Aufnahmen bei Dunkelheit (reicht für Entfernung max. 30m).

Hersteller ist Kodak ds (Digital Science). Das Gerät arbeitet mit Künstlicher Intelligenz und ist in der Bedienung dadurch sehr einfach.

Dank GPS, Funkzeit und verschlüsselter Übertragung über 5G Funknetz sind die Geräte DSGVO-konform. Die Fotos werden in der Amazon-Cloud gespeichert, das hat sich schon bei den Bodycams der Polizei bewährt. Lokal werden keine Fotos gespeichert. Die Bilder werden mit einer eindeutigen Kennung versehen und anonym ausgewertet. Die Auszahlung der Geschwindigkeits-Überwachungs-Kräfte (GÜK) erfolgt über die Gemeinde die von der Überwachungszentralbehörde dazu entsprechende Daten zur Verfügung gestellt bekommt.

In den USA werden solche Geräte schon lange eingesetzt. Die NTSB (National Transportation Safety Board) bekämpft damit sehr erfolgreich Geschwindigkeitsübertretungen.

Nach Einweisung darf man das Gerät sogar an Kinder (ab 9 Jahren) aushändigen. Ideal zur Überwachung an Schulen – welcher Raser achtet schon auf Kinder!

Kinder sind technischen Geräten gegenüber in der Regel sehr aufgeschlossen. Ausserdem kann man mit einer Taschengelderhöhung locken. Da kann bei fleissigen Kindern locker das Geld für eine Playstation oder ein neues Fahrrad pro Monat drin sein.

Da jede GÜK (Geschwindigkeits-Überwachungs-Kraft) für bis zu 3 Systeme und Bezirke zugelassen werden kann kann man damit schon sehr gut leben. 800-1000 Euro Einnahmen pro Gerät und Woche sind problemlos möglich, dazu muss man pro Tag ca. 3-4 Stunden aufwenden. Leider gehen davon dann wieder 42% Einkommensteuer, 5,5% Soli und evtl. Kirchensteuer ab. Bleiben ca. 500, -Euro pro Woche. Bei 3 Geräten sind das immerhin 6000,- Euro im Monat netto! Da kann man die Verkehrsüberwachung schon mal als Haupterwerb in Erwägung ziehen.

Reaktionen

Leider gewöhnen sich die Raser mit der Zeit an den Standort. Das ist zwar gut für die Verkehrssicherheit aber schlecht für die Einnahmesituation. Daher muss man doch ab und an den Standort wechseln. Aber da das Gerät sehr mobil ist stellt das ein größeres Problem dar.

Probleme mit Autofahrern gab es während der Projektzeit keine. Allerdings könnte ich mir vorstellen daß die Menschen mit der Zeit genervt sind wenn das System flächendeckend eingesetzt wird. Die Kinder waren allerdings alle begeistert. Immer wenn das Gerät installiert war wurde vor dem Kindergarten nicht mehr gerast.

Weitere Projekte

Das ist zwar noch nicht offiziell, aber mir wurde im Vertrauen gesagt daß Planungen bestehen, das System auch auf die Parkraumüberwachung auszudehnen. Die Behörden sind mit Falschparkern hoffnungslos überlastet. Durch private Initiative würde das Problem endlich offensiv angegangen. Die Menschen müssten sich nicht mehr beschweren sondern könnten gleich aktiv Anzeigen erstatten. Die Gemeindekassen würden damit deutlich aufgestockt, das Personal entlastet und dem Wildparken vorgebeugt. Ich habe da schon mal mein Interesse zur Projektteilnahme angemeldet.

Fazit

Alles in allem eine Win-Win-Situation:

Die Gemeinden werden entlastet, trotzdem steigen die Einnahmen durch Verkehrsüberwachung.

Die Bürger müssen sich nicht mehr bei der Gemeinde beschweren sondern können Geschwindigkeitsverstöße selbst ahnden.

Fußgänger werden besser vor Rasern geschützt, vor allem Kinder finden das System toll.


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