20 Jahre Photovoltaik – Zeit für ein Fazit

20 Jahre ist das jetzt schon her.
Am 1.4.2006 ging unsere Fotovoltaikanlage ans Netz.
In naher Zukunft soll sie durch eine moderne, stärkere Anlage ersetzt werden.
Zeit für ein paar Gedanken.

Ich würde es immer wieder tun – jederzeit!



Übrigens: im Blog-Bereich Photovoltaik habe ich seit über 20 Jahren alles dokumentiert.
Eine kleine Zeitreise bis zurück nach 2006.


Der Anfang
2002 haben wir unser Haus gekauft.
Jeden Cent reingesteckt und nicht nur einmal nachts nicht schlafen können und gegrübelt, ob es die richtige Entscheidung war.
Voll im Risiko und manchmal mehr als gut war.
Komplett selbst saniert, abgesehen von den Gewerken, die man nicht selbst machen kann.
Sobald wieder Geld frei war, ging es weiter.
Selbst die Fenster wurde nicht alle gleichzeitig getauscht, sondern in Abschnitten.
2006 war dann das Dach dran. Ungedämmt, kalt und ungemütlich.
Die meisten hätten einfach Dämmung eingebaut und neue Ziegel draufgemacht.
Ich wollte aber Fotovoltaik (damals noch Photovoltaik).
Unfassbar, die Ablehnung und gut gemeinte Gegenargumente von Menschen, die das eigentlich überhaupt nichts angeht.
Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man so ein Projekt nicht selbst durchzieht.


Was kostet das?
Eigentlich hatten wir dafür überhaupt kein Geld.
Schulden bis über die Ohren und als Selbständiger weiss man nie, was die Zukunft bringt.
Vom Gehalt einer Erzieherin brauchen wir auch nicht zu reden.
Für das Dach haben wir verschiedene Förder- und Kreditoptionen geprüft und dabei auch was für Fotovoltaik gefunden:
10 Jahre zu 1,8% zu 100% finanziert.
Das war ein Kracher und für mich war sofort klar: das geht!
Meine Frau hat mir vertraut, obwohl sie nicht so wirklich begeistert war.
Die meisten anderen fanden die Idee irgendwie doof.

Heute ein Angebot gesehen:
800W Balkonanlage (2 Module + Wechselrichter + Montagesystem) für 250,- Euro frei Haus. Das ist ein Preis pro kWh von 312 Euro!
In 2006 hat unsere Anlage 30.000 Euro gekostet – 6000,- Euro pro kWh!
20x teurer, als heute. Der Preisverfall ist unfassbar.

Lohnt es sich?

Tja, die meisten Menschen waren der Meinung, das würde sich nie lohnen.
Nach spätestens 5 Jahren sind die Dinger kaputt und müssen als „Sondermüll“ entsorgt werden.
Das mit dem Sondermüll geistert übrigens heute noch durch die Presse, wenn irgendein bekloppter Schreiberling wieder provozieren will.
Ursache für das Gerücht waren die damals noch angebotenen Dünnschicht-Module, die mit Gallium-Arsenid, Tellurid und anderem giftigen Zeug beschichtet waren.
Die sind aber mittlerweile vom Markt verschwunden.
Geblieben sind die Vorurteile.
Siliziumbasierte Module lassen sich problemlos recyceln.
Glas, Aluminium und die Leitungen aus Metall (meistens Silber), giftig ist da in der Regel nichts.
Aber die Gerüchte bleiben natürlich und die Herde plappert es immer wieder nach.

Damals gab es satte 51 cent pro kWh für die Einspeisung.
Es wurde voll eingespeist, kein Eigenverbrauch (Physikalisch natürlich schon, der Strom sucht den kürzesten Weg).
Pro kWp hat die Anlage über die Jahre jährlich ca. 1100kWh erzeugt. 5,1kWp sind verbaut.
Insgesamt pro Jahr im Schnitt damit 5800kWh.
Eine Verschlechterung lässt sich übrigens über die Jahre nicht feststellen, die jährlichen Schwankungen sind größer als die mögliche Degradation.
Nach 20 Jahren hat die Anlage mittlerweile 116.000 kWh erzeugt.
In Geldeinheiten gab es dafür knapp 60.000 Euro Einspeisevergütung.
Nach 8 Jahren war der Kredit getilgt.
Der Überschuss war übrigens mehr Schmerzensgeld denn Gewinn.
Neid und Mißgunst sind stark verbreitet in Deutschland.
JEDER konnte das auch machen. Die mit Dach sowieso und als Mieter gab es auch Beteiligungsmodelle.
Aber das zählte natürlich nicht.

Für die Umwelt war es auf jeden Fall ein Gewinn.
Der deutsche Strommix über die 20 Jahre erzeugte 400g CO2 pro kWh.
Heute weniger, damals mehr.
Die 116.000kWh entsprechen also einer Einsparung von 46,4 Tonnen CO2
Für den Strom wurde kein Atommüll erzeugt, kein Feinstaub, keine Landschaft durch Kohleabbau verwüstet und kein Konzern stopfte sich damit die Taschen voll.
Einen Krieg für Öl und Gas musste wegen der 116.000kWh auch nicht geführt werden!

Es hat sich also eigentlich gelohnt!

Natürlich war das erst ein Anfang.
Laufen lernt man auch nicht an einem Tag.

Der Neidfaktor

Obwohl wir die Anlage auf Kredit finanziert haben, waren wir in den Augen vieler anderer natürlich jetzt irgendwie reich – wer sich so ein „Spielzeug“ leisten konnte, war privilegiert.
Kein Porsche, keine Yacht, nur eine sinnvolle und durchdachte Investition, aber viele sind eben strunzdoof.
Und das meine ich genau so, denn manche Kommentare taten schon weh.
„Das muss ich jetzt mit meinen Steuern / meinem Strom zahlen“
„Wenn ich jetzt eine Steinschleuder hätte…“
„das rechnet sich nie“
„alles Sondermüll“
„verrückt, bekloppt, unsinnig“
„Totale Fehlinverstition!“
„Umweltverschmutzung“ – ja die Solarmodule benötigen natürlich mehr Energie zur Herstellung, als sie jemand wieder reinholen. Klar.

und das waren noch die freundlichen Kommentare.

Am Anfang habe ich gerne und oft erklärt, wie das funktioniert, was es bringt (der Umwelt und finanziell) und versucht, die Vorurteile auszuräumen. Irgendwann habe ich aufgegeben.
Die Menschen wollten es einfach nicht wissen.
Fotovoltaikanlagen sind doof, basta!

Die Installation

Über die Installation habe ich schon 2006 einen Beitrag in meinem Blog geschrieben.

Damals wie heute muss man aufpassen, wen man so etwas machen lässt.
2006 gab es zudem einen Boom und die Module waren extrem rar.
Von Bestellung bis Montage wurde mehrfach einfach zu anderen Marken gewechselt, der Kunde muss nehmen, was er bekommt. Erst später habe ich dann erfahren, was überhaupt montiert wurde.
Widerspruch zwecklos.

Idioten bei der Solarmontage

Bei uns wurde ziemlich gepfuscht, aber das ist eine andere Geschichte.

Beim Gedanken an die Monteure, die einfach mit dem Modul auf der Schulter, ungesichert aufs Dach gestiegen sind, gruselt es mich aber auch heute noch.
Damals war ich auch etwas naiv. Heute dürfte das an unserem Haus keiner mehr so machen.

Vermutlich gibt es aber genug Bekloppte, die auch heute noch Kopf und Kragen riskieren, anstatt die Sicherheitsvorschriften einzuhalten.

Übrigens: wenn der Typ an Deiner Baustelle von der Leiter fällt, bist Du als Bauherr mit schuldig!
Das wusste ich damals noch nicht, ich hab nur gezittert, dass der Blödmann nicht von der Leiter fällt. Dass er mich dabei „mitreissen“ könnte, war mir nicht bewusst.
Und jetzt die Profis: „aber das ist doch nicht schlimm, das machen wir immer so“.
Bis dann doch mal einer runterfällt.


Da war ich oft am Zweifeln.
Verlangte ich zu viel?
Darf man nicht saubere und anständige Arbeit einfordern?
Da ging so viel schief, das hat den Spass doch ziemlich getrübt.
Unfähige Monteure, Bankster, und neidische Mitmenschen.
Als wären alle gegen Solarstrom.
Die im Beitrag aus 2006 aufgeführten Mängel wurden übrigens nie behoben.

Am Ende hat es dann doch funktioniert und nachdem zumindest die Montageschäden behoben waren, lief es ja jetzt auch 20 Jahre.

Interessant: in dem Beitrag aus 2006 steht ganz am Ende, dass wir vermutlich 2026 das Repowering angehen werden. Dann mal los…

Würde ich es wieder tun?

Ja, aber anders!
Ich würde mehr auf Qualität achten, besonders bei den Firmen.
Der viele Ärger war nur durch Pfusch und Unfähigkeit entstanden (Montage auf Stoß, Mißachtung von Sicherheits- und Montagevorschriften). Die Anlage selbst lief ohne Probleme.
Und wir haben ja mittlerweile weitere Solaranlagen montiert, das war teilweise auch für meine Frau recht „anstrengend“ und viele hielten (und halten) mich für bekloppt:


2009 die erste „Balkon-Solaranlage“ in Ingersheim.


Damals fanden das viele hässlich, oder zumindest gewagt.
Heute ist das Standard, aber den ersten treffen eben die Vorurteile.

Später dann eine Solar-Pergola.


Eine Pergola ist richtig teuer, aber wenn man als Dach Solarmodule nimmt, anstatt Glas oder Plastik, dann bezahlt sie sich über die Zeit selbst – und nützt der Umwelt.
Auch da waren wir der Zeit voraus. Montagesysteme gab es dafür noch kaum. Wir haben dann was eigenes ausgetüftelt. Heute kann man das von der Stange kaufen.
doppelseitige Glas-Glas-Module sind einfach klasse. Die Beschatten den Sitzplatz, schützen vor Regen und erzeugen Strom. Besser geht nicht.

Natürlich ein Speicher!
2019 haben wir einen Stromspeicher nachgerüstet.
Teuer und wieder vorurteilsbehaftet (Rechnet sich nie, was, wenn der brennt?, sinnlos, Spielzeug…)
Lass die anderen reden, das Ding ist genial. Mittlerweile gibts die Kisten aber 90% günstiger!

Jederzeit wieder!
Ich würde es immer wieder tun!

Und die anderen?

Mittlerweile habe ich keine Lust mehr auf Diskussionen.
„Nur Reiche können sich so etwas leisten, das geht auf Kosten der Allgemeinheit, taugt ja sowieso nichts, Flatterstrom, bla bla“

Mir fallen dazu 2 sehr gute Filme ein:
Wie ich mich aktuell sehe: Falling Down – ich kann mich vollkommen mit dem Hauptdarsteller identifizieren.
Wie ich die Menschheit aktuell sehe: Idiocracy – als Komödie gedreht, heute eher eine untertriebene Doku.

Aktuell in den Medien:
Solarstrom verstopft die Netze!
Was für ein Blödsinn.
Über 10 Milliarden Dividenden der Stromkonzerne pro Jahr.
Über die 20 Jahre Laufzeit unserer Solaranlage:
Wieso wurden die 200 Milliarden nicht in die Netze investiert?

Dividenden sind Überschüsse, nachdem ALLE Arbeiten erledigt wurden.
Anscheinend lief hier gewaltig was schief.
Und wenn die Netze überlastet werden, wieso liegen dann TAUSENDE von Genehmigungsanfragen für Stromspeicher unbearbeitet bei den Netzbetreibern?
Es geht immer nur ums Geld.
Die Energiekonzerne wollen ihre Gewinne sichern.
Aktuell haben sie ja ganz gute Leute in der Politik.
Ich bin gespannt, wie weit die uns in die Vergangenheit zurückdrehen können.
Energieerzeugung mit Dampfmaschinen ist natürlich viel besser.
Ja – Öl, Gas und auch Atomkraftwerke sind nichts anderes als Dampfkraftwerke.
Durch Verbrennung von „irgendwas“ wird Hitze erzeugt, die erzeugt Dampf und damit werden Turbinen angetrieben. Uralte Technik.
Neues will man nicht, das ist Teufelszeug!


Flatterstrom?

Wind und Solar liefern mittlerweile über 50% des Strombedarfs. Der Widerstand nimmt zu.
Aber niemand will mir wirklich verraten, wie ein „alternatives“ Energiekonzept aussehen soll.
Weiter an der Leine der USA hängen und zuschauen, wie die andere Länder wegbomben, um an billiges Öl und Gas zu kommen? (Das sie uns dann vielleicht teuer verkaufen)
Von Venezuela hört man nichts mehr.
Kuba wird aktuell bedroht, der Iran zerbombt, diverse afrikanische Länder wegen ihrer Rohstoffe erpresst. Natürlich gibt es immer Gründe.
Die Islamisten im Iran will niemand, aber im Grunde geht es immer nur ums Öl!
Krieg um Öl und Rohstoffe, nichts anderes!
Russland will in der Ukraine auch kein Volk befreien, die wollen die Rohstoffe!
(die anderen aber auch und deswegen klopft man sich die Schädel ein)

Wenn Solar und Wind noch so flatterhaft sind, sie können uns von der Abhängigkeit befreien!
50% erneuerbare Energien heisst eben auch, dass wir nur noch 50% Öl und Gas von Kopfabschneidern und erpresserischen Regimen kaufen müssen. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde ist gut!
Irgendwann 100% ist noch ein weiter weg, aber möglich!

Beispiel:
Dein Kumpel und Du habt jeweils eine Tafel Schokolade (ÖL). Schokolade ist aus dem Supermarkt. Superbillig und immer zu haben (wie das geht, interessiert niemanden)
Du pflegst noch einen Apfelbaum im eigenen Garten. Der liefert Dir Äpfel.
Aber nur flatterhaft, nur im Sommer und aufwändig ist es auch.
Du musst den Baum düngen, giessen und vor Schädlingen schützen.

Du isst im Sommer einen Apfel, Dein Kumpel lacht Dich aus:
Im Winter hast Du keine Äpfel, ohne Schokolade wirst Du verhungern!
(Quatsch, denn Du kannst im Winter die gesparte Schokolade aus dem Sommer essen, während er zum Supermarkt rennt und neue kauft)

Ausserdem bist Du asozial:
Wenn Du im Sommer keine Schokolade kaufst, verhungern die Supermarktbetreiber und die Schokolade wird für alle teurer.
Durch den Apfel im Sommer sparst Du die Schokolade für den Winter, auch das findet Dein Kumpel blöde, denn der Speicher für die Schokolade ist ja teuer.
Dass die Schokoladenproduktion der Welt schadet, das interessiert nicht. Das sieht ja niemand. Das ist irgendwo anders.
Schokolade aus dem Supermarkt ist sauber verpackt, billig und bequem.
Gefährlich wird es, wenn Du ein Lager erfindest und Deine Äpfel das ganze Jahr nutzen kannst.
Aber Achtung – der Genuss eines Apfels hatte schon einmal erhebliche Konsequenzen, also glaube lieber Deinem Kumpel und bleibe bei der Schokolade!


Batteriespeicher sind mittlerweile so billig, dass sie sich problemlos rechnen.
Unser Speicher in 2019 hat noch 1000,- Euro pro kWh gekostet, mittlerweile gibt es Systeme für 100,- Euro und weniger! Das ist erst der Anfang!
Aber die Konzerne und ihre Politiker wollen das nicht und die Dummschaafe labern nach, was die Presse schreibt. Es ist so traurig.

Repowering

für das Repowering wird unser Dach vollgemacht.
Insgesamt sollten wir die möglichen 24,9kWp locker schaffen.
Mit einem Speicher von 50kWh oder mehr, sind wir dann einen großen Teil des Jahres autark.
Warum nur 24,9 kWp?
Weil die Politik bei 25kWp eine Grenze gezogen hat, aber der erhebliche Auflagen gelten und die Sache für Privatpersonen uninteressant machen.
Es kann ja nicht angehen, dass man sich von den Konzernen abkoppelt.

Ich will übrigens nicht einmal einspeisen.
Eine Abregelung auf 0-Einspeisung ist technisch kein Problem.
Dann verschenkt man zwar Energie, aber die Politiker bevorzugen Kohlestrom und andere schmutzige Energien.
Auch so Dinge wie „Abgaben auf Eigenverbrauch“ sind geplant.
Netzentgelte für Eigenstrom und ähnliches.
Die Sonne schickt keine Rechnung, die Politik aber schon!
Niemand kann sich entziehen, irgendwann trifft es jeden!

Es geht und ging niemals um das Klima, oder die Bevölkerung.
Geld regiert die Welt – Gemacht wird, was die Konzerne wollen!
Aber das ist eine andere „Verschwörungstheorie“

20 Jahre Fotovoltaik – ich würde es immer wieder tun!
Für die Umwelt, gegen die Konzerne, gegen die Dummheit, für die Zukunft!