{"id":2917,"date":"2020-09-01T09:03:00","date_gmt":"2020-09-01T07:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bastel-bastel.de\/blog\/?p=2917"},"modified":"2020-09-01T09:03:00","modified_gmt":"2020-09-01T07:03:00","slug":"akku-2-0-kapitel-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bastel-bastel.de\/blog\/index.php\/2020\/09\/01\/akku-2-0-kapitel-1\/","title":{"rendered":"Akku 2.0 &#8211; Kapitel 1"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kapitel 1 &#8211; Vorstellungsgespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n\n\n<p>Seit ein paar Tagen hatte Jan seinen Master in Chemie in der Tasche. <\/p>\n\n\n<p>Eigentlich wollte er nach seinem Studium eine Auszeit nehmen und als Rucksacktourist durch Asien reisen. Er hatte schon lange von einer Weltreise getr\u00e4umt und besonders China hatte es ihm angetan. Die fern\u00f6stliche Lebensweise gefiel ihm und die andersartige Kultur zog ihn irgendwie an. <\/p>\n\n\n<p>Aber er wollte auch einen Job in der Erforschung von Zukunftstechnologien und die Zahl attraktiver Arbeitspl\u00e4tze im Bereich der erneuerbaren Energien waren leider, durch den Zickzack-Kurs der Bundesregierung, w\u00e4hrend seiner Studienzeit arg geschrumpft. <\/p>\n\n\n<p>Als dann bekannt wurde, dass direkt neben seiner Uni ein neues Forschungsinstitut er\u00f6ffnet werden sollte, hatte er sich sofort beworben. <\/p>\n\n\n<p>Deswegen sa\u00df Jan gerade im Vorzimmer von Professor Schmidt.   Schmidt war der Leiter des neuen Instituts zur Erforschung von Speichertechnologien, das die Regierung als Leuchtturmprojekt ausgew\u00e4hlt und gef\u00f6rdert hatte.  <\/p>\n\n\n<p>Einhundert neue Arbeitspl\u00e4tze in der Spitzenforschung sollten hier geschaffen werden. Auf diese 100 Stellen gab es \u00fcber 3000 Bewerber.  <\/p>\n\n\n<p>Jan hatte sich zuvor noch nie irgendwo beworben und wusste nicht genau, was da auf ihn zu kam. Immerhin hatte er es durch die Vorauswahl geschafft und war zu einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch eingeladen worden. <\/p>\n\n\n<p>Aufgeregt sa\u00df er in einem gro\u00dfen, weichen Polstersessel und wartete darauf, aufgerufen zu werden. Dann \u00f6ffnete sich die T\u00fcr und endlich wurde er hereingebeten. <\/p>\n\n\n<p>Jan trat mit klopfendem Herzen in den Raum.  Professor Schmidt begr\u00fc\u00dfte ihn pers\u00f6nlich. Der Professor sah j\u00fcnger aus, als Jan ihn sich vorgestellt hatte. Ein sportlicher Typ von ungef\u00e4hr 60 Jahren, schlank und hochgewachsen. Nur die Haare waren schon ziemlich licht und schneewei\u00df. Kleine, verschmitzte Augen versteckten sich hinter einer dicken Hornbrille.  <\/p>\n\n\n<p>L\u00e4chelnd streckte Professor Schmidt Jan die Hand entgegen. &#8222;Willkommen in unserem Institut. Ich bin Professor Erich Schmidt und das hier ist meine Assistentin Suzan&#8220;.  Er zeigte auf eine junge Frau mit leicht asiatischen Gesichtsz\u00fcgen, die sich eifrig auf einem  Tablet Notizen machte und Jan freundlich anl\u00e4chelte.  <\/p>\n\n\n<p>Jan f\u00fchlte sich wie vom Blitz getroffen. Da sa\u00df seine Traumfrau. Das brachte ihn total aus dem Konzept.  Alle Texte, die er sich zuvor \u00fcberlegt hatte, alle Szenarien, wie das Vorstellungsgespr\u00e4ch ablaufen w\u00fcrde, waren auf einmal aus seinem Kopf verschwunden. Ihm wurde hei\u00df. Ein Gef\u00fchl breitete sich in seinem K\u00f6rper aus, das allerdings f\u00fcr ein Vorstellungsgespr\u00e4ch genauso wenig f\u00f6rderlich war, wie die Aufregung davor. <\/p>\n\n\n<p>In jeder anderen Situation h\u00e4tte er sich gefreut, Suzan kennenzulernen, aber hier im Vorstellungsgespr\u00e4ch war das der denkbar unpassendste Moment f\u00fcr die Gedanken, die von ihm Besitz ergriffen hatten.  <\/p>\n\n\n<p>Die Fragen des Professors beantwortete er wie in Trance. Sein Kopf schien mit Watte gef\u00fcllt. Jan konnte keinen klaren Gedanken fassen. Erst als der Professor aufstand und ihm die Hand reichte, mit den Worten &#8222;Vielen Dank f\u00fcr Ihre Vorstellung. Sie h\u00f6ren von uns&#8220;, fand er wieder in die Realit\u00e4t zur\u00fcck. <\/p>\n\n\n<p>Jans Gehirn hatte einen Totalausfall. Er konnte sich an die 10 Minuten des Vorstellungsgespr\u00e4chs nicht mehr erinnern. Es war ein kompletter Blackout! Aber er wusste, dass &#8222;Sie h\u00f6ren von uns&#8220; gleichzusetzen war, mit einer Absage. <\/p>\n\n\n<p>Frustriert verabschiedete er sich und verlie\u00df den Raum. <\/p>\n\n\n<p>Ein weiteres Gef\u00fchl machte sich in im breit und das kannte er zu gut. Wut! Er \u00e4rgerte sich \u00fcber sich selbst, dass er das Vorstellungsgespr\u00e4ch so komplett vergeigt hatte.  Ja, es musste wohl so sein, denn, egal wie sehr er sich auch anstrengte, sich zu erinnern, die 10 Minuten waren weg. W\u00e4re es gut gelaufen, dann m\u00fcsste er das doch wissen. <\/p>\n\n\n<p>Diese Suzan hatte ihn v\u00f6llig aus der Bahn geworfen. So etwas war ihm vorher noch nie passiert. Mit einem Mal wusste er genau, was er wollte. In diesem Institut arbeiten, mit Suzan und nichts anderes. Aber jetzt war es zu sp\u00e4t. Nur ein paar Minuten, in denen sein Leben total aus der Spur geraten war. Jan konnte es nicht fassen. <\/p>\n\n\n<p><strong>Er hatte versagt.<\/strong> <\/p>\n\n\n<p>Als Jan am n\u00e4chsten Tag einen Brief von Professor Schmidt erhielt, wollte er diesen ungelesen entsorgen. Aber irgendetwas in ihm dr\u00e4ngte ihn dazu, das Schreiben zu \u00f6ffnen und die vernichtende Absage zu lesen. <\/p>\n\n\n<p>Er hielt die Luft an und \u00f6ffnete den Brief. <\/p>\n\n\n<p>Um so erstaunter war er, als er die Zeilen las. Und nochmal las. Und noch ein drittes Mal:  &#8222;Herzlichen Gl\u00fcckwunsch, ich freue mich, Ihnen mitteilen zu d\u00fcrfen, dass wir Sie als Mitarbeiter in unserem Forschungsteam ausgew\u00e4hlt haben.&#8220;  Pers\u00f6nlich unterschrieben von Professor Erich Schmidt. <\/p>\n\n\n<p>Jan musste sich setzen. Er hatte eine Absage erwartet, aber das Gegenteil war eingetreten. Er war nicht nur in das Institut aufgenommen worden, sie wollten auch, dass er direkt in der Arbeitsgruppe des Professors arbeitete. Damit hatte er nicht gerechnet. Verzweifelt versuchte er sich erneut an das Vorstellungsgespr\u00e4ch zu erinnern. Wodurch hatte er sie wohl \u00fcberzeugt? Die 10 Minuten im B\u00fcro des Professors waren wie ausradiert. Das einzige, an das er sich erinnern konnte, war diese Suzan und der Satz des Professors &#8222;Sie h\u00f6ren von uns&#8220;. <\/p>\n\n\n<p>Er versuchte sich einzureden, dass er wohl sehr \u00fcberzeugend gewesen sein musste.  Aber die Ungewissheit nagte an ihm. Trotz allem war er gl\u00fccklich, er hatte erreicht was er wollte. Am kommenden Montag sollte es losgehen.  Jan freute sich riesig auf seine neue Arbeitsstelle. <\/p>\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/75d9e978308243dcbbb5729c3d214096\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\">\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bastel-bastel.de\/blog\/?p=2927\">Weiter zu Kapitel 2 &#8211; Die Kollegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 1 &#8211; Vorstellungsgespr\u00e4ch Seit ein paar Tagen hatte Jan seinen Master in Chemie in der Tasche. 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