RDP mit Linux

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben, nutze ich hauptsächlich Linux.
Aber man muss auch zugeben, dass es unter Windows Dinge gibt, die einfach komfortabel sind und die man nicht missen möchte.

So ist beispielsweise die Fernsteuerung mittels Remotedesktop (RDP) einfach eleganter als VNC, X11-Forwarding oder ähnliche Linux-Lösungen. Natürlich kann man auch proprietäre Lösungen nehmen, wie z.B. Teamviewer. Aber das ist mir zu unsicher und die Lizenzpolitik gefällt mir nicht.

RDP mit Linux
RDP – einer kontrolliert alle…



Zum Glück gibt es RDP auch für Linux.

Die letzten Jahre war RDP unter Linux nicht einfach einzurichten, da es nur mit manchen Desktops und da nur mit bestimmten Versionen funktionierte.

Es war immer mehr oder weniger ein Gebastel und Ausprobieren.

Für das derzeit von mir am liebsten eingesetzte Linux Mint mit Cinnamon-Desktop ging es lange Zeit nicht.
Seltsamerweise hat es bei manchen funktioniert, bei vielen anderen aber nicht.

Man musste auf Mate oder X11 ausweichen und auch da gab es zwar viele Anleitungen, aber funktioniert hat es oft nicht richtig.
Die eine Installation ging gar nicht, bei der anderen durfte man nicht lokal angemeldet sein, die dritte benötigte irgendeine Zusatzsoftware.
Umso besser gefällt es mir, dass es in Linux Mint 20.1 auf Anhieb und mit nur 2 Zeilen Code funktioniert!

RDP mit Linux



RDP mit Linux Mint 20.1 Cinnamon

Der Code für die Installation von RDP unter Linux Mint 20.1 Cinnamon lautet wie folgt:

sudo apt install xrdp xorgxrdp -y
echo env -u SESSION_MANAGER -u DBUS_SESSION_BUS_ADDRESS cinnamon-session>~/.xsession

Damit installiert man sich die nötigen Systemelemente und richtet den Desktop für RDP-Sessions ein.
Die 2 Zeilen gibt man nacheinander im Terminal ein, danach funktioniert RDP.
FERTIG!
Das ist der RDP-Server, d.h. damit kann man jetzt mit Hilfe von RDP von extern auf diesen Rechner zugreifen.

Für den Zugriff von extern benötigt man noch die IP-Adresse des Rechners, die bekommt man im Router angezeigt oder einfach im Terminal IFCONFIG eintippen. Alternativ kann man auch den Namen des Rechners verwenden. Das funktioniert auch.

Wichtig – RDP niemals direkt aus dem Internet zugänglich machen, nur im internen Netzwerk verwenden!

Ich verwende das für meine virtuellen Rechner, die ich für verschiedene Zwecke eingerichtet habe.
Sonst müsste ich ja überall Tastatur und Bildschirm anschliessen. Mit RDP hole ich mir alle Windows- und Linux-Maschinen komfortabel direkt an meinen Bürorechner.
Von Linux mit RDP auf Linux zugreifen.

Man kann jetzt von Windows mittels Remote Desktop Verbindung direkt auf den Linuxrechner zugreifen.
Aber da ich hauptsächlich mit Linux arbeite, verwende ich dafür Remmina, einer Alternative zum Remote-Desktop-Client unter Linux.

Zum Installieren einfach eine weitere Zeile im Terminal eingeben:

sudo apt install remmina

Das wars auch schon.
Danach kann man Remmina starten, den Namen der entfernten Maschine eingeben und zack – hat man eine schöne Remote-Verbindung auf den entfernten Rechner.
Remmina verwende ich auch gerne, um Windows-Rechner fernzusteuern. Das funktioniert auch sehr gut.
Eine kleine Hürde gab es bei mir immer wieder mal – die Farbtiefe führte oft zu Problemen. Mit der Einstellung auf Echtfarben (24bpp) funktioniert es eigentlich immer. Die Auflösung kann man nach belieben einstellen.

Viel Spaß beim Fernzugriff von Linux nach Linux, von Linux nach Windows, von Windows nach Linux. Systemübergreifend funktional.

Computer-Steinzeit
Computer-Steinzeit

Übrigens: in der Computer-Steinzeit gab es noch viele andere Fernwartungs-Varianten. Unter Unix konnte man einfach eine Shell aufmachen und eigentlich schon immer remote auf andere Computer zugreifen.
Unter Windows gab es viele verschiedene Systeme und Protokolle, z.B. VNC oder auch gewerbliche Lösungen, wie Teamviewer und ähnliche.

Das Remote-Desktop-Protokoll (RDP) von Microsoft kam erst recht spät dazu, hat sich aber rasch etabliert. Es wird sehr gerne genommen, da es einerseits flexibel, andererseits aber auch recht stabil und schnell ist.
Für Linux gibt es eigentlich andere Lösungen, aber irgendwie wird es trotzdem gerne genommen, um von Linux auf Windows, von Windows auf Linux, von Windows auf Windows und mittlerweile sogar von Linux auf Linux zuzugreifen.
Man sollte RDP allerdings keinesfalls ohne zusätzlichen Schutz übers Internet verwenden.
RDP immer nur im lokalen Netz einsetzen oder über ein gut gesichertes VPN.
Die direkte Freigabe von RDP im Internet ist nicht besonders schlau.

14.12.2021: Linux Mint 20.2 Cinnamon
Heute einen neuen Server aufgesetzt. Gut, dass ich mir die Anleitung aufgeschrieben habe.
Mit Copy&Paste war die RDP-Verbindung in 2 Minuten funktionsfähig installiert.

Einschränkung
Man erstellt mit der RDP-Verbindung eine zusätzliche Verbindung. Alle RDP-Verbindungen greifen auf dieselbe Session zu. Beim Wechsel von PC1 auf PC2 erhält man also mit RDP denselben Bildschirminhalt.
Es ist aber NICHT die lokale Session am PC. Da muss man extra Parameter angeben, die mir gerade nicht einfallen.
Ein paar Funktionen gehen nicht über RDP. Beispielsweise startet die “Änderung der Paketquellen” nicht, das geht nur lokal. Warum? Keine Ahnung. Aber das kann man problemlos über die Kommandozeile editieren und so oft braucht man das auch nicht.

SSH einrichten (optional)
Mit SSH kann man per Kommandozeile auf den Linuxrechner zugreifen.
Damit kann man dann RDP und alles andere bereits remote einrichten.
Das ist auch total einfach:

sudo apt update
sudo apt install ssh

(alternativ statt ssh openssh-server). Passwort eingeben, Installation durchlaufen lassen, fertig.
Der SSH-Server startet automatisch.

sudo systemctl status ssh

Mit obigem Befehl kann man überprüfen, ob der SSH-Server läuft.

Zum Verbinden öffnet man eine Kommandozeile und gibt ein ssh [Name des Zielgerätes]
Nutzt man auf dem Zielgerät einen anderen Benutzername, dann kommt noch ein -l Benutzername dazu.

Die Konsole ist jetzt direkt mit dem entfernten Rechner verbunden.
Alles, was man ab jetzt in der Konsole eingibt, wird auf dem entfernten Rechner ausgeführt, also Vorsicht!


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