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Meine Lüftungsanlage im Altbau

Meltem Raumlüfter mit Wärmerückgewinnung
Meltem Raumlüfter mit Wärmerückgewinnung

In modernen Niedrigenergiehäusern im Neubau sind mittlerweile zentrale Lüftungsanlagen Standard.

 

Dicht verpackt in Plastikfolie sind die Häuser ultradicht und lassen keine Frische Luft rein und keine verbrauchte Luft raus. Ohne Lüftungsanlage geht da garnichts.

 

Aber auch im Altbau gibt es das Problem daß die Häusser immer Luftdichter werden.

 

Als Beispiel unser Haus Baujahr 1964:

Wir haben neue Fenster eingebaut, irgendwann wird vielleicht die Fassade gedämmt und das Haus wird immer dichter.

Früher gab es unter der Haustüre einen zentimeterhohen Spalt, der Briefkasten war einfach ein Schlitz in der Tür, im Treppenhaus war es im Winter ultrakalt.

Auch im Wohnbereich mit alten Fenstern war alles recht zugig - mit den neuen Fenstern ist es viel behaglicher.

Aber dafür muss man regelmäßig Lüften. Sonst gibt es "dicke Luft".

 

 

Dicke Luft

Ohne Lüftungsanlage muss man regelmäßig lüften, denn die Luft im Wohnraum muss ausgetauscht werden:

In Innenräumen sammeln sich Schadstoffe aus Möbeln, aus Wand- und Bodenbelägen, Geräten - sogenannte VOC (Volatile Organic Compounds -  Flüchtige Organische Verbindungen - nicht gerade gesund)

Durch die Anwesenheit von Bewohnern wird natürlich auch Sauerstoff verbraucht und die CO2-Konzentration steigt.

Bei falscher oder zuwenig Lüftung steigt auch das Schimmelrisiko, der Wohnkomfort sinkt.

 

Auch wenn es toll ist mit abgedichteten Häusern Energie zu sparen. Ohne Frischluft geht es nicht.

Also regelmäßig Fenster auf und gut lüften. Dabei die Fenster nicht auf Kipp sondern voll auf, am besten 2 gegenüberliegende Fenster.

Blöd nur daß dabei immer ein Teil der eingesparten Wärme mit weggelüftet wird. Von draussen kommen im Frühjahr und Sommer Pollen, im Winter der "Duft" von Nachbars Kaminofen oder wenn man Pech hat ist mal wieder irgendein Landwirt unterwegs und verteilt Gülle.Wenn man nicht aufpasst sitzen plötzlich irgendwelche Katzenviecher auf dem Sofa. Und wenn man das geöffnete Fenster vergisst und einkaufen geht freuen sich in der Abwesenheit irgendwelche Menschen über diese Einladung zur Wohnungsentrümpelung.

Das muss besser gehen, am besten Automatisch...

 

Lüftungsanlage - Zentral oder dezentral?

Daher habe ich mir schon viele Gedanken darüber gemacht, wie wir in unserem Altbau (BJ 1964) eine Lüftungsanlage nachrüsten könnten. Zentral ist angeblich das Nonplusultra. Aber dafür braucht man Platz und muss viele Löcher für Leitungen, Zu- und Abluft-Öffnungen ins Gebäude stemmen. Die Luftkanäle sind nicht gerade hübsch und im vorhandenen Bauwerk kaum vernünftig unterzubringen.

Der Reinigungs- und Pflegeaufwand für die vielen Kanäle ist auch nicht zu vernachlässigen. Passt man da nicht auf hat man bald nicht nur Frischluft sondern auch eine schön zentrale Verteilung von Schimmel und sonstigen Schadstoffen.

Eine zentrale Anlage fiel bei uns also flach.

 

Alternativ gibt es Einzelraum-Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung.

Wärmerückgewinnung ist Pflicht, denn ein einfacher Lüfter ist ja sonst nicht mehr als ein geöffnetes Fenster.

Zwar passen durch ein 10-15cm-Rohr in der Regel keine Katzen oder Einbrecher, aber durch das Rausblasen der Luft geht im Winter Wärme verloren. Die angesaugte kühle Luft muss erst wieder teuer aufgeheizt werden.

Am Markt gibt es einige verschiedene Systeme. Solche die abwechselnd Luft reinblasen und wieder raussaugen und dabei die Wärme in irgendeinem Material (z.B. Keramik) speichern oder solche mit einem Kreuzwärmetauscher bei der Zu- und Abluft über Kreuz durch einen Stapel dünner Kanäle laufen, z.B. aus Kunststoff oder Metall.

Die Luft vermischt sich nicht, aber durch die zwischen den Luftkanälen liegenden dünnen Abtrennungen wird die Wärme übertragen, Zu- und Abluft gleichen sich an. Dadurch geht in der Fortluft nicht so viel Wärme verloren und in die Zuluft ist nicht so kalt. 100% Rückgewinnung gibt es natürlich nicht, aber gute Geräte liegen deutlich über 50%.

 

Das mit dem hin- und her gefällt mir nicht wirklich. Mit einem Gerät hat man im dichten Gebäude schnell Unter - oder Überdruck und 2 Geräte die sich ergänzen (eins saugt, eins bläst) sind teuer und benötigen mehr Platz.

Die Geräte mit Kreuzwärmetauscher schienen mir am besten geeignet. Aber welches?

Ich konnte mich einfach nicht entscheiden und so habe ich die letzten Jahre einfach wie gehabt übers Fenster gelüftet...

und dann kam der neue Drucker...

Als Druckeronkel habe ich eine Maschine mit Lösemitteltinte im Einsatz (Roland VS-420). Das Gerät druckt den ganzen Tag. Laut Hersteller kann man die Maschine problemlos im Büro betreiben, braucht keine Lüftung und es gibt überhaupt keine gesundheitlichen Bedenken...

Wirklich? Die Tinte selbst ist jedenfalls giftig. Und die Trocknung der Tinte erfolgt per Heizung, dabei verdunstet das verwendete Lösemittel. Das muss ja irgendwo hin - wohin wenn nicht in die Raumluft.

 

Nebenher habe ich auch noch einen normalen Laserdrucker. Zwar nur für Paketlabel, aber Laserdrucker sind in letzter Zeit vor allem wegen Feinstaub ins Gerede gekommen Auch nicht gerade gesund.

Normale Sachen drucke ich hauptsächlich mit handelsüblichen Tintendruckern. Da redet (ausser mir) noch niemand drüber, aber nach ein paar Tausend Seiten sind die Geräte und auch die Umgebung mit einer mehr oder weniger hauchdünnen Tintenschicht überzogen, alle mir bekannten Tintendrucker erzeugen beim Drucken einen feinen Tintennebel. Wenn die Medien noch nicht drüber reden heisst das aber nicht daß es unbedenklich ist.

 

Und dann noch die Computer und sonstigen Geräte die hier täglich im Büro ihre Duftnote setzen. Wenn schon Kinderspielzeug giftig ausgast, wie sieht es dann erst bei solchen Geräten aus?

 

Also habe ich viel gelüftet.

Aber im Sommer kommen dann die Pollen und die Hitze - da bringt die Split-Klimaanlage nichts wenn das Fenster offen ist. Im Winter kostet das Lüften viel Heizungsenergie. Aber Fenster zu ist nicht gut - Nur was tun!?!

 

Tja und dann kam mein neuer Drucker - eine Mimaki UJF-3042 - ein Drucker mit UV-Härtender Tinte.

Da zitiere ich mal von der Hersteller-Webseite: "UV LED härtende Tinte enthält keinerlei VOC (flüchtige organische Verbindungen) die organische Lösemittel in die Luft einbringen würden. Sie benötigen keine Absaugung.

 

Tja, glaubt man den Herstellern oder nicht?

Ich habe es erst mal geglaubt und fing gleich mit Drucken an.

Doch beim Drucken duftet die Kiste doch sehr unangenehm giftig. Die Tinte ist nicht ungefährlich und man soll beim Reinigen des Druckers Handschuhe und Schutzbrille anziehen. Und das soll dann in der Luft gesund sein wenn es so stinkt? Das glaube ich nicht wirklich.

 

 

 

Luftreiniger...

Luftreiniger nach 4 Wochen
Luftreiniger nach 4 Wochen

Ich machte mich also auf die Suche nach Firmen die Lüftungsanlagen einbauen.

Eine fertige Idee hatte ich zwar, die war aber laut Aussage der befragten Firmen nicht brauchbar. Dafür waren deren Preisvorstellungen von 5000-7000,- Euro für mich nicht brauchbar.

Während der UV-Drucker in Betrieb war blieben daher die Fenster offen. Nur ging es zunehmend Richtung Winter und die Heizsaison begann.

Daher habe ich mir einfach mal einen Luftreiniger gekauft und in den Druckerraum gestellt. Einen Daikin MC70L.

Alle 2 Wochen sollte man das Gerät reinigen, der Vorfilter soll angeblich nur alle 2 Jahre ausgetauscht werden müssen.

 

Bei der Reinigung nach 2 Wochen bin ich dann allerdings erschrocken - der Filter war schwarz. Der konnte nie und nimmer 2 Jahre ausreichen. Die zu reinigenden Komponenten waren ebenfalls von einem schwarzen Schmierfilm überzogen. Keine Ahnung was das für Zeug ist. Vermutlich VOC, Tintennebel und Ausgasungen meiner Geräte.

Gesund aber auf keinen Fall - da bin ich mir ziemlich sicher.

Also muss dringend eine Lüftungsanlage her. Aber 7000,- Euro und Aufputz-Rohre quer durch das Büro?

Nee, da war ich nicht einverstanden.

 

 

Mein Lüftungskonzept

Mein Lüftungskonzept
Mein Lüftungskonzept

Mein Lüftungskonzept ist eigentlich ganz einfach:

Im Büro am Schreibtisch wird Frischluft eingeblasen und vom Druckerraum wieder abgesaugt. Da die Räume direkt nebeneinander liegen brauche ich nur 50cm Rohr damit Zu- und Abluft über einen Wärmetauscher aneinander vorbeiströmen können. Der Luftausgleich sollte über den Flur erfolgen - Türen sind zwischen den Räumen nicht eingebaut. (blaue Pfeile = Luftströmung, L= Lüftungsgerät)

Warum die Handwerker das Konzept ablehnten konnten sie mir nicht schlüssig erklären. Vielleicht weil es einfach zu einfach ist.

 

 

Selber machen - besser ist das!

Nach langer Suche und viel Lektüre im Internet habe ich mich dann für ein Gerät der Firma Meltem entschlossen.

Ein M-WRG-K Lüftungsgerät mit Wärmetauscher und Wäremrückgewinnung. Mit dem benötigten Installationsmaterial liegt man bei um die 1500,- Euro - 5500,- Euro weniger als das Handwerkerangebot.

 

Allerdings ist das der Preis fürs Material - einbauen muss man es dann schon selber.

Bei Youtube gibt es aber einige Videos dazu und der Einbau sieht nicht schwer aus.

Das Schwierigste sind die beiden Kernbohrungen. Nicht nur daß man die passende Maschine benötigt - die Löcher müssen auch möglichst genau gebohrt werden, sonst passt die Abdeckung später nicht oder es sieht nicht gut aus.

Viel Spiel hat man nicht, aber dafür gibt es ja eine Bohrschablone.

 

Ein Kernbohrgerät kann man sich im Baumarkt leihen oder wie ich das gemacht habe für 50,- Euro eine passende Bohrkrone kaufen. Aber Achtung - die Bohrer müssen ohne Schlag arbeiten, große SDS-Max-Bohrhämmer haben zwar die nötige Power können aber in der Regel nicht ohne Schlag arbeiten. Und mit normaler SDS-Aufnahme sind 120mm Lochdurchmesser grenzwertig. Hat aber mit meiner AEG-Maschine durch 30cm Wand (rote Ziegelsteine) problemlos funktioniert. Hat zwar eine Weile gedauert und mein Vater musste die ganze Zeit mit dem Sauger daneben stehen, aber die beiden Löcher sahen anschliessend aus wie vom Profi.

 

 

Ab durch die Wand...

Durch die 2 Löcher in der Aussenwand kam schon ganz schön Frischluft. Aber als die fertig waren kam schon ein gewisser Stolz auf - selbst gemacht!

 

Für die Absaugung musste ich noch ein Loch durch die Nebenwand zum Druckerraum bohren. Für die Abluft hatte ich einen Flachkanal bekommen und musste also ein eckiges Loch ausstemmen.

Das schwierige daran war daß ich keine Lust hatte anschliessend 2 Räume neu zu tapezieren oder zu streichen, also musste vorsichtig gearbeitet werden.

Erst habe ich das Loch im Büro angezeichnet und dann mit einem Fein Multimaster Tapete + Gips ausgefräst.

Danach ging es mit Bohrhammer und Meißel im Schongang weiter. Das hat so gut geklappt daß ich nach kurzer Zeit das Loch durch hatte und nur noch die Tapete den Durchbruch abdeckte - Perfekt.

Dabei durfte man natürlich nie die Absaugung vergessen...

 

Nachdem ich durch die Wand durch war habe ich das Loch mit Klebeband zugeklebt damit kein Staub rauskommt und dann ging es in den Druckerraum - Tapete wegschneiden und von der anderen Seite das Loch voll in Form bringen.

Das war dann auch schon der schwierige Teil.

 

Gerätemontage und Strom

Beim Strom gab es den Glücksfall daß ich genau an der Stelle früher ein kleines Wandregal mit Radio installiert hatte, daher war auf halber Wandhöhe eine Steckdose. Sonst hätte man die halbe Wand aufstemmen oder einen Aufputz-Kanal verlegen müssen. Aber so musste ich nur einen kleinen Schlitz von ca. 20cm fräsen, Kabel rein, viel Acryl drauf, vorher ausgeschnittene Tapete wieder drauf, glattdrücken - sieht man kaum. Das Kabel einfach in der vorhandenen Anschlussdose direkt mit der Steckdose verbunden, fertig.

Dann 4 Dübellöcher für das Meltem-Gerät mit der Bohrschablone markieren und Bohren, Gerät testweise an die Wand halten - passt.

Als letzter Vorgang haben wir die Lüftungsrohre in die Wand gesteckt, mit den Schablonen innen und aussen ausgerichtet und eingeschäumt und Feierabend gemacht, der Schaum durfte über Nacht aushärten.

 

Fertigmontage

Fassadenabschluss Meltem Lüfter
Fassadenabschluss Meltem Lüfter

Am 2. Tag nochmal die Rohre mit den Schablonen überprüft und mit dem Fein Multimaster nach Anleitung abgesägt.

Aussen die Edelstahl-Abdeckung aufgeschraubt, innen den Lüfter an die Wand geschraubt, Stromkabel angeklemmt und fertig - fast.

Für meine Installation musste ich noch ein paar kleine Flachkanal-Teile zusammenstecken damit die Abluft nicht wie als Standard vorgesehen aus dem gleichen Raum kommt sondern aus dem Nachbarraum abgesaugt wird.

Also Flachkanäle zusammengesteckt und das lange Stück durch die Wand. Angezeichnet, nochmal raus und ab in den Keller - mit der Kreissäge sauber abgesägt. Passt.

Das Loch rund um den Flachkanal habe ich ebenfalls ausgeschäumt, die sichtbaren Ränder sauber mit Acryl ausgespachtelt. Silikon ist hier übrigens garnicht geeignet, das kann man nicht überstreichen.

Auf der Seite im Druckerraum noch eine Abdeckung drauf. Fertig!

 

Es folgte die erste Inbetriebnahme - erstmal die Anleitung lesen, einschalten - läuft.

Stufe 3 ist Standard - 30m³ pro Stunde sollen da durchgehen. Erster Eindruck - kaum hörbar aber auch nicht wirklich fühlbar - das soll was bringen?

Ich probier ein bisschen herum. Bis Stufe 5 ist das Gerät im Büro 2m vom Schreibtisch aus kaum hörbar, mein PC ist lauter. Bis Stufe 7 ist das Radio lauter, das sollen dann 70m³ sein. Darüber wird es dann schon sehr laut - dann sollen bis zu 100m³ Luft pro Stunde umgewälzt werden und da spürt man auch schon einen deutlichen Zug.

Das Gerät funktioniert also wie erwartet, aber bringt es auch was?

 

 

Und Lüftet...

Luftabsaugung über dem Drucker
Luftabsaugung über dem Drucker

Bis sich über den Flur eine Luftströmung gebildet hat und auch eine spürbare Veränderung in der Luftqualität eintritt dauert es natürlich ein wenig, da muss ja erst mal einiges an Luft umgeschaufelt werden.

Stufe 3 war mir eindeutig zu schwach, aber da man bei Stufe 5 (=50m³) auch nichts hört habe ich diese Stufe eingeschalten und das Gerät laufen lassen. Feierabend. Jetzt erst mal geputzt und die Baustelle aufgeräumt.

Jetzt hatte ich also das Teil an der Wand und es lief, aber der Aha-Effekt kam nicht - der kam dann am nächsten Morgen!

 

Wie geschrieben - Lüftung ist nicht Einschalten und alles Gut, sondern das braucht natürlich eine gewisse Zeit.

Am nächsten Morgen fühlte sich die Luft im Büro frisch und rein an, wie frisch gelüftet - dabei waren die Fenster nicht geöffnet. Ja, das gefiel mir. Die Anlage schien zu funktionieren.

 

Der Luftstrom war nicht kalt. Ein Messgerät hatte ich nicht zur Hand, aber draussen hatte es -7°C, die Frischluft aus dem Gerät war etwas kühl aber nicht kalt. Der Wärmeaustausch funktionierte.

 

 

Druckerduft...

Der Härtetest waren natürlich die Drucker - erstmal alle eingeschalten und los ging es.

Nach 5 Seiten aus dem UV-Drucker lag bereits ein deutlicher Geruch im Druckerraum. Aber weniger als bisher. Trotz geschlossener Fenster. Nach einer Stunde roch man es auch im Büro. Stufe 5 war also zu schwach.

Allerdings kein Kratzen im Hals, kein Hustenreiz. Ein großer Teil der reizenden Stoffe musste also abgesaugt werden.

Ich stellte das Gerät auf Stufe 8 - hörbar aber beim Arbeiten noch nicht störend. Fürs Wohnzimmer wäre das aber zu laut. Dort gibt es aber auch keine Drucker die derart ausgasen, da sollte Stufe 3-5 ausreichen. Und ich habe das Ding ja schliesslich fürs Büro gekauft. Radio an und der Lüfter ist nicht mehr wahrnehmbar.

 

Auf Stufe 8 nahm der "Duft" im Büro langsam wieder ab. Könnte zwar ein Gewöhnungseffekt sein aber nach der Mittagspause waren Büro und Druckerraum wie frisch gelüftet - die halbe Stunde ohne Druck hatte ausgereicht um die insgesamt ca. 60m² weitgehend auf Normalduftniveau zu bringen, bei ca. 2,3m Deckenhöhe sind das ca. 140m³ Rauminhalt.

 

Mit Stufe 6-7 bleibt der "Duft" beim Drucken im Druckerraum, im Büro bleibt es frisch - dort kommt ja auch die frische Luft von draussen. Zwischen 8 und 10 kann man auch den Geruch im Druckerraum im Zaum halten - man riecht zwar daß gedruckt wird aber der Unterschied zu vorher mit Fensterlüftung ist enorm. Durch die aktive Absaugung ist das kleine Loch in der Wand besser als wenn ein Fenster geöffnet ist. Hätte ich nicht gedacht.

 

Fenster auf - und zu

Nach 3 Tagen ohne Fensterlüftung dachte ich, ich müsste mal wieder ein Fenster aufmachen. Angeblich braucht man das nicht, aber die Gewohnheit drängte dazu. Also Fenster auf, Nase raus und bäh - Irgendein Nachbar heizt mit Holz. Das kommt immer mehr in Mode und stinkt doch manchmal extrem. Also schnell das Fenster wieder zu.

Über den Lüfter kommt nur frische Luft - denn da habe ich mir gleich den Filter mit Aktivkohle mitliefern lassen und der funktioniert klasse. Bin schon gespannt auf das Frühjahr, die letzten Jahre hatte ich da arge Probleme mit einer Pollenallergie. Und auch beim Drucken störte das Fensterlüften extrem, da musste man nämlich aufpassen daß auf den Drucksachen nicht nach kurzer Zeit eine Pollenschicht lag die beim Druck die Qualität verschlechtert hat - Blanco-Druckbögen einen Tag offen liegen lassen und man konnte das oberste Blatt nicht mehr verwenden.

Beim Fensterlüften hat es auch schon mal die fertig gedruckten Blätter vom Tisch geweht, mit etwas Pech waren die empfindlichen Drucke dann verknickt und ich durfte nochmal drucken. Oder bei starkem Wind hat es auch mal Fenster und Türen zugeschlagen. Auch das ist nicht ideal.

 

Kleine Hinweise zu meiner Installation

Als Hinweis für Nachmacher: die Installation der Meltem Lüftungsanlage ist nicht schwer, setzt aber gewisse Fähigkeiten voraus. Die Kernbohrung ist nicht ganz einfach und der elektrische Anschluss muss auf jeden Fall von einem Fachmann durchgeführt werden.

Vor dem Bohren von Löchern muss man natürlich aufpassen wo Leitungen liegen - bei mir kein Problem, alles selbst verlegt und mit Fotos dokumentiert. Zur Sicherheit nochmal mit dem Leitungsfinder über die Wand. Lieber genauer nachdenken und nochmal prüfen statt 230V am Finger - sonst braucht man die Lüftung unter Umständen nicht mehr.

Daß die Erben dann unter Umständen noch vom Widerrufsrecht für die Anlage Gebrauch machen können ist kein großer Trost.

Also - 230V ist gefährlich - das darf nur der Fachmann!

 

Entgegen der Herstelleranweisung hängt meine Anlage etwas tiefer und ziemlich im Eck. Daneben hängt ein Vorhang.

Das ist normalerweise so nicht erlaubt da sich sonst Zu- und Abluft vermischen und die Lüftung nicht richtig funktioniert. Bei meiner Installation stört das aber nicht weil die Abluft aus einem anderen Raum abgesaugt wird.

 

Fazit nach 3 Wochen Dauerbetrieb

Luftfilter nach 3 Wochen!
Luftfilter nach 2 Wochen!

Der Meltem-Lüfter ist jetzt 3 Wochen in Betrieb. Als Lüftungsstufe läuft das Gerät auf 6 (=60m³ pro Stunde), wenn die Drucker an sind schalte ich auf Stufe 8 hoch.

Die Fenster habe ich seiter kaum noch aufgemacht. Trotzdem ist das Büro morgens deutlich "frisch gelüftet". Und auch während der Arbeit empfinde ich die Raumluft als angenehmer und frischer als vorher.

Es gibt dank Wärmerückgewinnung auch keinen kalten Luftzug, obwohl das Gerät keine 2m vom Schreibtisch entfernt hängt.

Beim Drucken habe ich kein Kratzen mehr im Hals und keine Hustenanfälle.

Obwohl die Druckerhersteller behaupten die Geräte wären problemlos ohne Lüftung zu betreiben - ich rate dringend davon ab. Seit ich die Lüftungsanlage installiert habe habe ich deutlich weniger Bedenken was meine Gesundheit angeht.

Und nachdem ich gestern testweise die Abdeckung der Abluft(!) abgenommen habe bin ich etwas erschrocken und der Eindruck daß die Lüftung unbedingt notwendig ist hat sich noch verstärkt. In der Abdeckung der Abluft ist eine kleine Vlies-Filtermatte wie in einer Dunstabzugshaube. Dieses Vlies war beim Einbau so weiß wie die Tapete. Jetzt nach nur 3 Wochen ist es schwarz!

Da habe ich doch erst mal 2 m² Filtervlies zum selber zuschneiden bestellt, das muss ich ja alle 2 Wochen austauschen.

 

Von wegen "gesunde Drucker" - Und das sind keine Druckmaschinen sondern wirklich Drucker die laut Hersteller bedenkenlos ins Büro gestellt werden können!

Das Zeug wäre ohne Lüftung in meiner Lunge gelandet - da leben Raucher gesünder!

 

 

Viel Spass beim Einbau gehabt, 5000,- Euro gegenüber dem Handwerker-Angebot gespart und saubere Luft im Büro. Was will man mehr.

Insgesamt ist die Installation also ein voller Erfolg.

 

 

Und was ist mit der Wohnung?

Für die Wohnung denke ich über ein weiteres Lüftungsgerät nach. Dort weiss ich allerdings noch nicht wie ich das installieren soll. Es fehlt der Stromanschluss in der Nähe, daher müsste man Leitungen ziehen, das Gerät sollte optisch unauffällig in den Wohnraum eingepasst werden und im Wohnzimmer ist ein raumluftabhängiger Holzofen vorhanden.

Das sind alles noch so kleine Dinge die genau überlegt sein wollen. Bis dahin arbeite ich erst mal mit der frischen Luft im Büro - und in der Wohnung wird bis dahin ab und zu das Fenster aufgemacht  - wenn die Nachbarn nicht gerade Holz verbrennen, irgendein Landwirt Gülle fährt oder die Pollen unterwegs sind...

 

Nachgemessen

Bild: Raumluftgüte-Messung per USB-Stick
Bild: Raumluftgüte-Messung per USB-Stick

Eigentlich reicht schon die Nase um zu erkennen ob die Luft abgestanden, miefig oder frisch ist.

Aber nachmessen ist auch ganz nett. Vor allem wenn das Gerät dazu sehr günstig zu haben ist, als USB-Stick für den PC funktioniert und keinerlei Aufwand zur Bedienung erfordert.

Von www.appliedsensor.com gibt es einen Raumluftsensor als USB-Stick (Indoor Air Monitor) der eingsteckt am PC oder per USB-Steckdose über eine kleine LED-Ampel die Raumluftqualität anzeigt (Grün= OK, Gelb= Grenzwertig, Rot= Lüften - es stinkt!). Am PC gibt es dazu noch eine Software die die VOCs (flüchtige Origanische Stoffe) in ppm (parts per Million) anzeigt.  Damit sollen Luftschadstoffe und Gerüche erkannt und angezeigt werden.

Z.B. von Nikotin, Lösemitteln, Ausdünstungen, Farben, Lacke, Kunststoffe, und mehr.

Angeblich lässt sich auch CO2 messen, das passt aber nicht ganz zur Beschreibung. Allerdings meldet die Software CO2/VOC-Level. Also doch CO2 und VOC.

Jedenfalls lässt sich damit ein Trend erkennen ob die Luft sauber ist oder ob gelüftet werden sollte.

 

Das Teil gibt es bei Conrad Electronik, Völkner, aber am günstigsten für 19,50 Euro incl. Versand bei Velux als "Velux Raumfühler, Artikel-NR. XDE WG31011"

 

Eingesteckt am PC im Druckerraum am Morgen zeigt das Gerät 450ppm, das soll auch ungefähr der Wert für saubere Luft sein. Also hat die Lüftungsanlage über Nacht ganze Arbeit geleistet, die Luft ist sauber - ohne Fensterlüftung.

Ich setze mich an den Schreibtisch im Büro und beobachte die Echtzeit-Grafik. Es tut sich - nichts!

Der Wert bleibt bei 450ppm.

Daher schalte ich den Lüfter auf niedrigste Stufe und schalte beide Drucker ein (nur Bereitschaft). Die Geräte reinigen, der Wert steigt in einer halben Stunde auf 500ppm. Der Sensor funktioniert also. Die Geräte dünsten irgendetwas aus. Ohne Lüftung wird die Luft schlechter.

Ich lasse den UV-Drucker eine Seite drucken, angeblich erzeugt dieser ja keine VOCs, trotzdem steigt die Anzeige während 10 Minuten Druck auf über 550ppm. Als nächstes starte ich den Eco-Solvent-Drucker und lasse ihn ein paar Decals drucken - die Anzeige steigt innerhalb 20 Minuten auf knapp 700ppm. Der UV-Drucker ist aus.

Der erste Test zeigt - die Drucker dünsten was aus, der Hustenreiz und der stechende Geruch stehen der Herstelleraussage der Unbedenklichkeit entgegen.

Direkt neben dem Eco-Solvent-Drucker steht ja auch noch der Luftreiniger. Den hatte ich vergessen auszuschalten.

Der bringt aber auch nicht soviel wie die Lüftungsanlage, aber als Ergänzung darf er stehen bleiben.

 

Daher nächster Test:

Ausgehend von 620ppm schalte ich die Lüftung ab, den Luftreiniger schalte ich ebenfalls ab. Und beide Drucker dürfen drucken. Der normale Bürodrucker (Tintenstrahl) darf auch noch 100 Seiten drucken.

Es ist 14:55 Uhr, die Lüftungsanlage ist aus, 3 Drucker arbeiten, wir starten bei 620ppm.

 

 

 

VOC-Messung

15:30 Uhr - die Drucker arbeiten noch, die Anzeige ist auf 766ppm gestiegen. Langsam riecht es etwas, aber noch nicht wirklich störend.

17:50 Uhr - leider sind ein paar Dinge dazwischengekommen, die Drucker haben bis ca. 17:00 gedruckt, danach habe waren sie im Standby, Lüftungsanlage war aus, aktuell 799ppm. Zwar nur im Gelben Bereich (Lüftung empfohlen) aber jetzt ist bald Feierabend, daher schalte ich die Lüftungsanlage an - auf Maximalstufe 10.

Heute abend ist Heimkino, der Raum ist mit dem Druckerraum verbunden, da muss die Luft frisch sein.

 

Aktueller Eindruck der Luftgüte: etwas unangenehm, ich würde jetzt die Fenster öffnen und lüften. Aber als Stinken würde ich es noch nicht bezeichnen, muffig und nach Ausdünstungen der Drucker riechend.

Gleichzeitig startet der Eco-Solvent-Drucker noch einen Druckjob. Mal schauen was passiert: steigt die Partikelzahl durch den Drucker, bleibt es gleich oder ist die Lüftung stärker? Das Ziel ist natürlich der Ausgangswert von morgens.

 

Zur Erinnerung: die Räumlichkeiten haben ungefähr 140m³ Luftinhalt. Der Lüfter soll auf Stufe 10 ungefähr 100m³ Luft austauschen. Es gibt aber natürlich Vermischungen, daher kann man nicht sagen daß die Luft in anderthalb Stunden ausgetauscht ist. Ich würde mal schätzen daß es 3-4 Stunden dauert bis der Wert wieder unter 500ppm liegt. Der Stick ist im Bild vom Druckerraum oben unterhalb des UV-Druckers am PC eingesteckt.

Die Frische Luft muss daher auch erst einmal vom Büro durch den Flur bis in den Druckerraum gelangen.

 

17:56: Die Anzeige ist schon auf 750ppm gesunken - hätte ich nicht gedacht. Es kommt also richtig viel Luft an und der "Dreck" wird abgesaugt.

18:05: nur noch 708ppm. Abendessen ruft - ich verlasse den Raum. Drucker und Lüfter arbeiten...

 

20:00: Heimkino fängt an, ich prüfe nochmal - nur noch 500ppm, die Luft ist wieder sauber. Ich stelle den Lüfter auf Stufe 6 herunter.

 

23:00: nach dem Film steht der Wert wieder bei 600ppm - trotz laufender Lüftung.

Das kann aber durchaus korrekt sein - pro Person und Stunde sollen 30m³ ausgetauscht werden, es sind 3 Leute im Raum, es müssten also 90m³ pro Stunde ausgetauscht werden. Die Anlage läuft auf Stufe 6 (=60m³/h).  Gehen wir davon aus, daß das ein Messwert aus dem Labor ist, dann ist der Durchsatz vielleicht etwas geringer. Zum empfohlenen Wert fehlen also 30-40m³ pro Stunde. Da ist es natürlich daß der Wert wieder ansteigt. Die vielen technischen Geräte setzen ja ebenfalls VOC frei.

 

 

Nächster Morgen, 8 Uhr: der Lüfter lief über Nacht auf Stufe 6 weiter: Der Wert ist auf 450ppm gesunken - die Luft im Büro ist wie frisch gelüftet. Die Lüftung funktioniert also einwandfrei.

Die 20,- Euro Investition in so einen kleinen Luftgüte-Messer mit Datenlogger kann ich nur jedem empfehlen der sich eine Lüftungsanlage zulegt. Der Luftaustausch braucht Zeit, ob alles funktioniert sieht man daher nur mit Langzeit-Messung. Dieser kleine USB-Stick ist vermutlich nicht sehr genau, aber den Trend kann man gut erkennen und nach ein paar Tagen weiss man genau, auf welcher Stufe man die Lüftung einstellen muss damit die Luft immer frisch ist. Ein Standalone-Geräte ohne Logging-Funktion würde ich dagegen nicht empfehlen, da sieht man ja nur den aktuellen Wert. Die Messung sollte schon über ein paar Stunden gehen.

 

extreme Messwerte

12.20.2014, 16:30 -  der Air-Monitor zeigt auf einmal extrem schlechte Luftqualität an - über 1600ppm, es erscheint eine Meldung am PC "CO2/VOC level - Bad air quality".  Und das trotz laufender Lüftungsanlage und Druckern im Standby - woher kommt das!?!

Ich vermute das liegt an den frischen Ausdrucken, ca. 3qm Druckfläche liegen auf dem Schneidetisch quer vor dem Fenster. Von draussen scheint heute die Sonne darauf, die Drucke sind deutlich warm. Da die Eco-Solvent-Tinte auf Lösemittel basiert das sich durch Beheizen beim Drucken verflüchtigt wird durch die Erhitzung durch die Sonne wohl der gesamte Druck grossflächig ausdünsten.

Aber laut Druckerhersteller soll das ja gesundheitlich unbedenklich sein.

 

Soll ich das Fenster aufmachen?

Ich probier erstmal was passiert wenn ich den Lüfter auf Stufe 10 stelle, also 100m³ pro Stunde Luftaustausch.

Dann schaffe ich noch die Drucke aus der Sonne...

Die Werte steigen - auf 2900ppm.

Ich lüfte per Fenster. Das geht natürlich deutlich schneller als mit der Lüftungsanlage, aber die Luft von draussen ist ziemlich kalt (nur 3°C). Mit Wärmerückgewinnung ist da natürlich nichts, die Heizungswärme wird nach draussen weggelüftet. Die Werte sinken in nur 5 Minuten wieder auf 450ppm. Ich mache die Fenster zu - die Werte steigen wieder.

 

Dann finde ich die Ursache:

Meine Frau hat im Backofen die Pyrolyse gestartet - eine Funktion die durch Aufheizen auf 500°C Verschmutzungen im Ofen verbrennen soll. Anschliessend ist nur noch Asche im Backofen, das Gerät ist wieder sauber. Nur - die Funktion läuft über 2 Stunden braucht sehr viel Strom und stinkt extrem. Die Küche ist ein Stockwerk tiefer, die Luft kommt durch das Treppenhaus. Der Luftgütemesser geht an den Anschlag.

Nach Ende der Pyrolyse beruhigen sich auch die Meßwerte wieder. Die Lüftungsanlage schaufelt frische Luft ins Büro und die Anzeige geht wieder in den grünen Bereich.

Das Luftgüte-Meßgerät ist für 20,- Euro ein sehr interessantes Gerät. Da probiere ich noch verschiedene Dinge aus und stelle die Ergebnisse online...

 

 

Mein Fazit

Die Lüftungsanlage lohnt sich auf jeden Fall.

Ich weiss garnicht wieso ich die nicht schon früher eingebaut habe.

Wenn man sieht was normale Drucker ausdünsten will man nicht wissen wo das Zeug ohne Lüftungsanlage landet.

Und normale Fensterlüftung reicht eindeutig nicht. Seither habe ich morgens, mittags und abends gelüftet und auch mal zwischendurch. Aber eher Pi mal Daumen. Da war oft dicke Luft im Büro.

Es gibt Extremsituationen bei denen man trotzdem noch mit dem Fenster lüften muss, wie bei der genannten Pyrolyse. Aber das kommt nicht oft vor und für die tägliche Lüftung bleiben die Fenster ab sofort zu.

Es sei denn draussen riecht es nach Frühling und ich brauche das Gefühl breitflächig durchs Fenster einströmender Frühlingsluft. Sobald dann aber Pollen in der Nase kitzeln bevorzuge ich wieder die Lüftungsanlage.